Christian Bittar schrieb gleich zweimal Finanzgeschichte: Zum einen kassierte er im Jahr 2009 einen spektakulär üppigen Bonus von 80 Millionen Euro – die höchste Prämie in der Geschichte der Deutschen Bank und weit mehr, als der damalige Institutschef Josef Ackermann erhielt. Zum anderen mischte er bei der Manipulation des Leitzinses Euribor mir. Dafür verurteilte in Londoner Gericht den Franzosen nun zu fünf Jahren Gefängnis.

Bittar soll zusammen mit Händlern anderrn Banken zwischen 2005 und 2009 den Interbanken-Zinssatz Euribor manipuliert haben. Der Euribor ist das europäische Pendant zum Londoner Libor, bei dem ebenfalls getrickst worden war. Die beiden Sätze bestimmen, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Zudem sind Wertpapiere, Firmenkredite, Sparkonditionen und Handelsgeschäfte im Billionen-Wert an diese Richtsätze gekoppelt.

Nach Frankreich abgesetzt
Bittar hatte im März ein Geständnis abgelegt. Vergangene Woche war sein Komplize, der ehemalige Barclays-Händler Philippe Moryoussef, zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden – in Abwesenheit. Er hatte sich nach Bittars Geständnis nach Frankreich abgesetzt. Bei drei weiteren ehemaligen Barclays-Händler hatte sich die Jury vergangene Woche nicht auf ein Urteil einigen können. Die britischen Ermittler streben jedoch ein neues Verfahren an.

Drahtzieher zeigt keine Reue
Als Drahtzieher der Manipulationen gilt Tom Hayes, der bei der UBS arbeitete. Er war 2015 zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Hayes wehrte sich gegen das Urteil und erreichte bereits eine Abmilderung der Strafe auf elf Jahre. Er prozessiert aber weiter. Auch gegen ein lebenslanges Berufsverbot, das die britische Finanzaufsicht FCA gegen ihn verhängte, wehrte sich Hayes. Das Verbot wurde ausgesetzt, bis das Strafverfahren abgeschlossen ist.

Nachdem die Manipulationen im Jahr 2011 aufgeflogen waren, hatte die Deutsche Bank Bittar entlassen. Auch den 80-Millionen-Euro-Bonus behielt die Bank ein. Am Ende hatte der Skandalhändler 40 Millionen ausbezahlt bekommen.

Das Londoner Gericht verhängte neben der Gefängnisstrafe eine Vermögensabschöpfung von 2,5 Millionen Pfund, und Bittar muss 800.000 Pfund Gerichtskosten zahlen. Die Deutsche Bank wurde 2015 von den amerikanischen und britischen Behörden zu einer Strafe von 2,5 Milliarden Dollar verdonnert. (ert)