Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat eigenen Angaben zufolge den Versicherer Neue Leben erfolgreich abgemahnt. Die Talanx-Tochter hatte Briefe an Kunden mit hochverzinsten Altverträgen versandt und offenbar versucht, diese zur Kündigung zu bewegen. Nach Einschätzung des Verbandes hatte der Policen-Anbieter dabei allerdings nicht ausreichend auf die Nachteile einer Kündigung hingewiesen.

Nun habe der Versicherer in einer Unterlassungserklärung zugesichert, die umstrittenen Schreiben nicht mehr zu verwenden, teilt der vzbv mit. Noch im September hatte die Neue Leben angegeben, bis zum Jahresende insgesamt 30.000 solcher Briefe verschicken zu wollen. Das für Versicherungen zuständige Finanzmarktwächter-Team der Verbraucherzentrale Hamburg hatte das Problem aufgrund von Beschwerden aufgedeckt.

Nachteile der Kündigung nicht verdeutlicht
In den bei den Marktwächtern eingegangenen Schreiben war von einem angesparten Guthaben die Rede, das ab sofort "kurzfristig und einkommensteuerfrei abgerufen“ werden könne. Dass damit jedoch auch die Kündigung der Police einhergeht, sei nicht erwähnt worden. Auch die Nachteile einer Vertragsauflösung in Form von entgangenen Zinszahlungen wurden offenbar nicht verdeutlicht. Die Briefe wurden nach Angaben des Versicherers vor allem an Kunden verschickt, die vor 2005 Verträge abgeschlossen hatten – zu einer Zeit also, als für die Sparanteile von Versicherungen noch Zinssätze zwischen 2,75 und vier Prozent gewährt wurden. Mit dem "Abruf“ ihres Guthabens hätten die Policen-Inhaber die gut verzinsten Altverträge vorzeitig aufgegeben.

„Die Schreiben der Neuen Leben waren aus unserer Sicht ein klarer Verstoß gegen die Beratungspflicht der Versicherer“, sagt Sandra Klug, Leiterin des Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Hamburg. Den Betroffenen sei zudem fälschlicherweise der Eindruck vermittelt worden, es handle sich um ein besonders lohnenswertes Angebot, das die Versicherung ihnen großzügigerweise einräume. "Tatsächlich ist die Kündigungsmöglichkeit jedoch von Anfang an Bestandteil des Vertrags und das Guthaben schon deutlich früher steuerfrei verfügbar“, erklärt Klug.

Gothaer räumt "missverständliche“ Schreiben ein
Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte von Verbrauchern auch Schreiben der Gothaer Lebensversicherung erhalten. Diese hatte ihren jährlichen Standmitteilungen an Versicherte ein unübersichtlich gestaltetes Formular beigelegt, das sowohl für die Kündigung als auch für die Umstellung auf E-Mail-Versand verwendet werden konnte. Auf Marktwächter-Nachfrage hin räumte der Versicherer ein, dass die Schreiben "offensichtlich missverständlich“ gewesen seien. Man habe den Versand inzwischen gestoppt. (am)