Geldmarktfonds sind kurzfristige Anlagen, die von Anlegern zur Verwaltung ihrer überschüssigen Liquidität verwendet werden, oft als Alternative zu einem Bankkonto. Während der letzten Finanzkrise erwiesen sich diese Vehikel unter angespannten Marktbedingungen als anfällig. Die EU hat daher die Vorgaben zu Geldmarktfonds für alle Mitgliedsländer harmonisiert.

Am Samstag sind die neuen Vorschriften endgültig in Kraft getreten, die von allen Gesellschaften, die Geldmarktfonds vertreiben, spezielle Maßnahmen verlangen. Vor allem soll sichergestellt werden, dass Geldmarktfonds die Anleger jederzeit auszahlen können, heißt es in einer Aussendung der EU-Kommission.

Die Verordnung (EU) 2017/1131 schreibt unter anderem konkrete Regeln für die Diversifikation vor. So darf ein Geldmarktfonds nicht mehr als fünf Prozent seines Vermögens in einen einzelnen Geldmarktfonds investieren. Und insgesamt dürfen höchstens 17,5 Prozent in anderen Geldfonds veranlagt werden.

"Hohe spontane Rückgabeforderungen müssen erfüllt werden können"
Auch was die Liquidität betrifft, gibt die EU vor, wie das Portfolio zu strukturieren ist. CNAV (Geldmarktfonds mit konstantem Nettoinventarwert) und so genannte LVNAV (eine neu eingeführte Kategorie, die einen Nettoinventarwert mit niedriger Volatilität beschreibt) müssen mindestens zehn Prozent an Vermögenswerten halten, die innerhalb eines Tages vom Emittenten zurückzuzahlen sind. Zusätzlich müssen 30 Prozent innerhalb einer Woche fällig werden. Für die Geldmarktfondskategorie VNAV (Vehikel mit variablem Nettoinventarwert) gilt, dass sie 7,5 Prozent an Vermögenswerten halten müssen, die binnen eines Tages, so wie 15 Prozent, die innert einer Woche fällig werden. "...in Bezug auf das Portfolio eines Geldmarktfonds muss durch einheitliche Vorschriften sichergestellt werden, dass Geldmarktfonds erheblichen und abrupten Rückgabeforderungen einer großen Zahl von Anlegern gewachsen sind", heißt es dazu in der Vorschrift.

Zentralregister öffentlich zugänglich
Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA führt ein öffentliches Zentralregister, in der die Kategorie und der Verwalter so wie die zuständige Aufsicht ersichtlich sind. Die nationalen Aufsichten informieren die ESMA vierteljährlich über entzogene oder erteilte Zulassungen. Die nationalen Aufseher erhalten ausdrücklich den Auftrag zu überprüfen, ob ein Geldmarktfonds auf Dauer die Vorgaben erfüllen kann und müssen mit Sanktionsbefugnissen ausgestattet werden. Den nationalen Aufsehern muss das Recht eingeräumt werden, dass sie bei einem Fonds jederzeit angekündigt oder unangekündigt vor Ort ermitteln können.

Explizit verboten wird in der Verordnung eine externe Unterstützung von Geldmarktfonds. Zum Beispiel darf eine mit dem Fonds verbundene Bank keine Barzuschüsse leisten oder Anteile kaufen, um die Liquidität in kritischen Phasen zu stützen. Das würde das Risiko der Ansteckung zwischen der Geldmarktfondsbranche und dem Rest der Finanzbranche erhöhen. Eine Bank könnte eine solche Unterstützung aus Eigeninteresse bereitstellen, entweder, weil sie eine wirtschaftliche Beteiligung an der Verwaltungsgesellschaft des Geldmarktfonds hält oder weil sie eine Schädigung ihres Rufes abwenden will, die eintritt, wenn ihr Name mit dem Ausfall eines Geldmarktfonds in Verbindung gebracht wird.

Gültigkeit ab 21. Juli 2018
Betroffen sind alle Geldmarktfonds, auch bereits existierende. Sie müssen bis zum 21. Januar 2019 nachweisen, dass sie die neuen Vorschriften einhalten. Die Verordnung gilt in vollem Ausmaß ab dem 21. Juli 2018 – einige Artikel waren bereits ab dem 20. Juli 2017 gültig. (eml)