Das Landgericht (LG) München hat Hannover Leasing zu Schadensersatz in Höhe von rund 41.000 Euro verurteilt. Die Richter sehen es als erwiesen an, dass der Fondsinitiator den Verkaufsprospekt für die geschlossene Beteiligung "Hannover Leasing Developement, L.P." vor dem Abschluss eines Kaufvertrages nicht aktualisiert hatte. Dies geht aus einer Pressemitteilung von Rechtsanwalt Oliver Renner, Kanzlei Rechtsanwälte Wüterich Breucker, hervor.  

Das von Renner am 4. Juli 2017 erstrittene Urteil (28 O 19462/16) ist aber noch nicht rechtskräftig. Die Hannover Leasing, die als Initiatorin, Anbieterin, Geschäftsbesorgerin, Eigenkapitalvermittlerin und Prospektherausgeberin des Fonds agierte, wird in Berufung gehen, wie die Gesellschaft FONDS professionell ONLINE auf Anfrage mitteilte.

Investition in Nashville, Tennessee
Ausgang des Rechtsstreites war, dass sich der Anleger im Mai 2008 mit 60.000 US-Dollar an dem Fonds beteiligte. Gegenstand und Zweck des Portfolios war Renner zufolge eine Investition in die Projektentwicklung des Shopping-Centers "The Paddocks, Nashville – Tennessee". Die Errichtung des Investitionsobjekts sollte nach den Prospektangaben zwischen Mitte November 2007 und Mai 2010 in vier Bauphasen erfolgen. Die Beteiligungsdauer war entsprechend nach den Prospektangaben für einen Beitritt zum 1. Januar 2008 mit rund drei Jahren geplant.

Die Anker-Mieter des Shopping Centers, darunter der Einzelhandelsriese Walmart, sollten nach den Prospektangaben als spätere Grundstückeigentümer in Eigenregie bauen, wobei der Vollzug des Kaufvertrages mit Walmart nach den Prospektangaben zum 31. Dezember 2007 erfolgen sollte. Tatsächlich geschah dies jedoch erst im Jahr 2009. Hierdurch sowie in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise konnte eine Realisierung des Projektes nicht mehr wie geplant erfolgen. Für den Anleger entstand somit ein Verlust.

Anwalt: Kein rechtzeitiger Prospektnachtrag
Renner argumentierte vor dem Landgericht, dass Hannover Leasing den Verkaufsprospekt im Mai 2008 trotz der zum 31. Dezember 2007 nicht erfolgten Grundstücksveräußerungen nicht aktualisiert hatte: "Ein ab Mai 2008 beitretender Anleger hätte durch einen Prospektnachtrag oder durch Prospektberichtigung darüber aufgeklärt werden müssen, dass die für Ende 2007 vorgesehene Durchführung der mit Walmart geschlossenen Kaufverträge über Teilflächen des Grundstücks noch nicht vollzogen worden sind", so Renner.

Da die Fondsinitiatorin für sich eine besondere Sachkunde, Kompetenz und Erfahrung für sich in Anspruch genommen habe, bestehe eine Prospekthaftung im weiteren Sinne. Das sah das Gericht auch so. (jb)