Kapitalverwaltungsgesellschaften haben länger Zeit, um ihre Prospekte anzupassen, wenn sie Anleger in den Genuss der steuerlichen Teilfreistellungen bringen möchten, die das Investmentsteuerreformgesetz vorsieht. Dies geht aus einem Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) hervor, das Anwendungsfragen des neuen Gesetzes klärt. Das BMF reagiert damit auf den hohen Aufwand, den eine Änderung der Anlagebedingungen für viele Fondshäuser bedeutet.

"Das Bundesfinanzministerium hat der Branche eine Übergangszeit gewährt", erklärt Stefan Rockel, Geschäftsführer bei Universal-Investment in Frankfurt. Schafft eine Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) es nicht, die Anlagebedingungen eines Fonds fristgemäß bis zum 31. Dezember 2017 an die vorgesehenen steuerlich relevanten Kapitalbeteiligungsquoten anzupassen, so kann das Unternehmen eine sogenannte Selbstdeklaration nutzen.

Fondsgesellschaft steht im Wort
Dabei erklärt die Gesellschaft als Vertreter des Investmentfonds bis zum 31. Dezember 2017 in einem Schreiben, dass eine bestimmte Aktienquote fortlaufend eingehalten wird. Finanzinformationsdienstleister sowie die Verwahrstellen dürfen auf diese Eigenerklärung dann vertrauen. Die KVG steht für die Erfüllung ihrer Zusage im Wort. "Die Übergangsfrist endet am 31. Dezember 2018", erklärt Rockel. Bis dahin müssen die Anlagebedingungen endgültig stehen. "Der Anspruch von Universal-Investment ist es aber, bis Ende 2017 die Fonds bereits umgestellt zu haben", sagt Rockel.

Teilfreistellungen sind ein wesentlicher Aspekt des Investmentsteuerreformgesetzes, das am 1. Januar 2018 in Kraft tritt. Eingeführt werden sie als Ausgleich für die neue Besteuerung bestimmter inländischer Erträge auf Fondsebene. So zahlen in Deutschland aufgelegte Fonds etwa auf Dividenden, die deutsche Unternehmen ausschütten, künftig 15 Prozent an den Fiskus. Damit bleibt für den Anleger weniger übrig.

Quoten eindeutig festschreiben
Als Ausgleich sieht der Gesetzgeber vor, 15 oder 30 Prozent der Fondserträge auf Anlegerebene steuerfrei zu stellen. Dafür müssen allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Entscheidend sind die Kapitalbeteiligungsquoten eines Fonds, also die Mindestinvestitionsanteile in Aktien. Diese sind gestaffelt und liegen bei 25 und 51 Prozent des Portfoliovolumens. Aber: Anleger bekommen die Teilfreistellungen nur, wenn die Quoten in den Anlagebedingungen der Fonds eindeutig festgeschrieben sind.

Ursprünglich war vorgesehen, dass Fonds, die stabile Kapitalbeteiligungsquoten einziehen möchten, ihre Anlagebedingungen bis zum 31. Dezember 2017 entsprechend anpassen müssen. Da die Umstellung der Prospekte aber sehr aufwändig sein kann, hatte das Bundesfinanzministerium nun ein Einsehen. Die Übergangsregelung gilt auch für ausländische Fonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind, und die ihre Anlagebedingungen anpassen möchten. (am)


Berater finden alle relevanten Informationen zu der Reform in der Broschüre "Investmentsteuerreform kompakt" des Fondsverbands BVI. Diese können Sie bei FONDS professionell ONLINE in Form einer PDF heraunterladen und zudem für Ihre Kunden personalisieren.