Das Bundeskartellamt will die Zuverlässigkeit und Objektivität von Vergleichsportalen wie Check24 prüfen. Die Wettbewerbsbehörde teilte mit, sie habe eine sogenannte Sektoruntersuchung eingeleitet, um "mögliche Verstöße gegen verbraucherrechtliche Vorschriften aufklären und konkretisieren zu können". Das berichtet "Spiegel Online" unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa.

Millionen Verbraucher informierten sich täglich mithilfe von Vergleichsportalen im Netz, sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt den Medien zufolge. Dabei gehe es teilweise um hohe Beträge und weitreichende Vertragsabschlüsse. "Wir müssen sicherstellen, dass die Verbraucher sich dabei auf die Zuverlässigkeit, die Objektivität und die Transparenz der Portale verlassen können", sagte der Chef der Wettbewerbsbehörde.

Kartellamt nutzt erweiterte Kompetenzen
Im Zentrum der Untersuchung sollen dabei Portale für Reisen, Energie, Versicherungen, Finanzdienstleistungen und Telekommunikation stehen. Spiegel Online zufolge sei es das erste Mal, dass das Kartellamt seine im Sommer 2017 durch eine Gesetzesnovelle erweiterten Kompetenzen einsetzt. Sie geben der Behörde die Möglichkeit, bei begründetem Verdacht auf gravierende Verstöße gegen verbraucherrechtliche Vorschriften Sektoruntersuchungen durchzuführen.

Allerdings ist das Bundeskartellamt nicht die erste öffentliche Institution, die sich eingehender mit den Portalen beschäftigt – das Amt kann durchaus auf eine Reihe an Informationen und Analysen zurückgreifen. So haben sich das Landgericht und das Oberlandesgericht München in zwei Prozessen mit der Beratungsgrundlage und dem -prozess von Check24 beschäftigen müssen. Die Urteile fielen überwiegend zugunsten des Portals aus (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Oberstes Gericht ermahnte Bestattungsportal
Der Bundesgerichtshof hat Anfang Mai ein Urteil in einem Verfahren gegen ein Vergleichsportal für Bestattungen gesprochen und dieses zu mehr Transparenz verdonnert – vor allem hinsichtlich der zur Auswahl stehenden Anbieter. Das Portal "Bestattungsvergleich.de" führte in seinen Ergebnislisten nämlich nur Anbieter auf, von denen es Provisionen bekam. Eine Studie der Verbraucherzentrale Bundesverband förderte die Praxis der Vorauswahl auch bei Finanz- und Versicherungsportalen zutage, und zwar in drei von fünf untersuchten Fällen.(jb)