Die Idee klingt angesichts eines drohenden Fahrverbotes für Dieselfahrzeuge verführerisch: Autobesitzer widerrufen ihren Kredit, mit dem sie den Kauf ihres Wagens finanziert haben. Eine Reihe von Verbrauchern habe diesen "Widerrufs-Joker" versuchshalber gezogen, von einer Klagewelle könne aber noch nicht die Rede sein, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) unter Berufung auf den Verband der Banken der Automobilwirtschaft (BDA) berichtet. Zumal auch nicht klar ist, ob der Autobesitzer ohne Verluste bleibt.

Der Zeitung zufolge haben bislang erst rund 300 Kreditnehmer persönlich oder über Anwälte ihre Autobanken kontaktiert und entsprechende Ansprüche geltend gemacht. Weniger als 100 Fälle seien bislang vor Gericht gelandet. In 42 Fällen gebe es bis jetzt Urteile, lediglich vier davon seien zugunsten der Kläger ausgegangen. Der Verband räumte der FAZ zufolge aber ein, dass die Banken sich in zahlreichen weiteren Fällen durch einen Vergleich mit den Klägern geeinigt hätten, so dass es gar nicht erst zu einer Gerichtsentscheidung kam.

Verlust oder nicht?
Hintergrund der Versuche ist, dass ein Kreditvertrag auch lange Zeit nach der üblichen Frist von 14 Tagen widerrufen werden kann, wenn bestimmte Angaben unvollständig sind oder die Widerrufsbelehrung Fehler enthält. Bei Immobiliendarlehen ist dieser juristische Kniff schon häufiger eingesetzt worden. Wenn er bei einem Autokredit funktioniert, muss der Kaufvertrag rückabgewickelt werden. Der Käufer kann also theoretisch sein Fahrzeug zurückgeben und erhält dann die geleistete Anzahlung nebst sämtlichen Raten zurück. In Frage kommen dabei Autofinanzierungs-Verträge, die nach dem 10. Juni 2010 abgeschlossen worden seien.

Allerdings ist dem Bericht der FAZ zufolge strittig, wie viel die Autokreditnehmer bei einem erfolgreichen Widerruf tatsächlich zurückbekommen. Ein Experte der Stiftung Warentest hatte in einem Medienbericht die Auffassung vertreten, dass die Autofahrer bestenfalls jahrelang "fast umsonst" gefahren sind. Der Verband der Autobanken weise jedoch darauf hin, dass selbst in Fällen, in denen sich die Kläger vor Gericht durchsetzten, eine Art Nutzungsentschädigung fällig wird: Das gebrauchte Fahrzeug geht an die finanzierende Bank zurück und nicht nur der Kredit, auch der Kauf wird rückabgewickelt. Daher bekomme der Halter den Kaufpreis nur abzüglich eines Betrags für die gefahrenen Kilometer erstattet. (jb)