Carsten Maschmeyer muss beim Prozess wegen angeblicher Beratungsfehler gegen die internationale Anwaltskanzlei Clifford Chance wohl endgültig die Waffen strecken. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) meldet, dass das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt bereits in der vergangenen Woche eine Berufung des AWD-Gründers gegen ein früheres Urteil des Landgerichts Frankfurt zurückgewiesen habe. Das Verfahren sei mit Beschluss vom 12. Februar wegen des Nichteinhaltens einer Frist als unzulässig verworfen worden, wie die Zeitung unter Berufung auf eine Sprecherin des Gerichts scheibt. Eine Restchance gibt es dennoch.

Der 19. Zivilsenat des OLG  hielt es demnach nicht für notwendig, sich mit möglichen Fehlern der Vorinstanz zu beschäftigen; geschweige denn der Frage nachzugehen, ob Maschmeyer ein Haftungsanspruch gegen seine langjährigen Transaktionsberater von Clifford Chance sowie deren ehemalige Partnerin Daniela Weber-Rey zustehen könnte.

Maschmeyer soll Veröffentlichung untersagt haben
Maschmeyer liegt mit der Kanzlei wegen einer versäumten Ad-hoc-Meldung seit geraumer Zeit im Clinch: Vor rund neun Jahren wollte er als damaliger Chef des Finanzvertriebes AWD mit juristischer Unterstützung von Clifford Chance den Mitbewerber MLP übernehmen. Zusammen mit Partnern sollten schrittweise MLP-Aktien aufgekauft werden.

Der Plan scheiterte aber, weil der Investor gegen Meldepflichten nach dem Börsengesetz verstieß: Sein Stimmrechtsanteil an MLP lag bei 3,06 Prozent, damit konnte Maschmeyer nicht mehr im Verborgenen agieren. Diesen Fehler, der ihm eine Strafzahlung in Höhe von 1,5 Millionen Euro einbrachte, lastet Maschmeyer der Kanzlei an.

Diese verwahrt sich gegen die Vorwürfe und betont, dass Maschmeyer auf eigene Faust entschieden habe, das Überschreiten eines bestimmten Schwellenwerts nicht zu melden. "Die Position von Herrn Maschmeyer war für uns von Anfang an nicht rechtlich nachvollziehbar. Er wollte uns für etwas verantwortlich machen, das in der Konsequenz seines eigenen Verhaltens lag", sagte Uwe Hornung, Partner von Clifford Chance, schon vor einigen Monaten der FAZ.

Letzte Chance: Beschwerde gegen Beschluss
In erster Instanz vor dem Landgericht Frankfurt scheiterte Maschmeyer, ging aber in Berufung. Diese war aber unzulässig, weil eine Frist nicht eingehalten wurde, so die Zeitung. Auch ein Antrag zur Wiedereinsetzung, der eine Verhandlung vor dem Senat ermöglicht hätte, sei zurückgewiesen worden. "Zu den Hintergründen, warum eine so erfahrene Prozesskanzlei wie die von Herrn Maschmeyer eine Frist versäumt, können wir uns nicht äußern", zitiert die FAZ Hornung. Eine Chance verbleibe Maschmeyer noch. Nach Auskunft der Gerichtssprecherin kann er gegen den Beschluss innerhalb eines Monats Beschwerde einlegen. (jb)