Sehr vermögende Kunden könnten aufgrund der europäischen Finanzmarktrichtlinie Mifid II den Zugang zu den besten Anlageangeboten verlieren. Das berichten zwei Banker aus den Bereichen Debt and Market Sales bei der Nordea Bank. Die überarbeitete europäische Richtlinie unterscheide zwischen Privatanlegern und professionellen Investoren auf eine Art und Weise, die nicht unbedingt widerspiegle, wie erfahren ein Kunde tatsächlich sei. Dies sagten die beiden Vertreter des nordeuropäischen Geldhauses in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Wenn jemand als Kleinanleger eingestuft wird, erhält er nicht den gleichen Zugang zu komplexen Anlageprodukten, obwohl er über die entsprechende Expertise verfügt, sagten die Banker. "Die Schwellenwerte wirken ein wenig willkürlich", sagte Philip Asp, Leiter der Abteilung für Schuldverschreibungen und Risikolösungen bei der größten nordischen Bank. Dies treffe vor allem die sogenannten High-Net-Worth-Kunden.

Viel mehr Dokumentationsarbeit
Mifid II wurde im Januar eingeführt um den Anlegern zu helfen, mehr Transparenz über die Märkten zu erhalten. Dazu gehört der Versuch, Investoren vor komplexen Produkten zu schützen, die sie vielleicht nicht verstehen. Privatanleger können zwar weiterhin auf hochkomplexe Instrumente zugreifen. Aber es erfordert viel mehr Arbeit seitens der Berater um zu dokumentieren, dass sie alle notwendigen Vorkehrungen zum Schutz der Kunden getroffen haben.

Die Nordea-Banker sind zu dem Fazit gelangt, dass versierte, sehr vermögende Privatanleger das Nachsehen haben, weil Investmentgesellschaften sich nicht mit zusätzlichen Bürokratiekosten belasten wollen. "Wenn man sich die Primärmarkt-Auftragsbücher anschaut, hat man heute weniger Anleger als zuvor", sagte Asp. "Denn es gibt heute Marktteilnehmer, die nicht dabei sein können, weil vom Emittenten wahrscheinlich entschieden wurde, dieses Anleger-Segment nicht zu unterstützen." Dem Leiter Vertrieb und Vermarktung bei Nordea, Henrik Kall, zufolge würden sehr vermögende Kunden praktisch von solchen Marktbereichen ausgeschlossen. (Bloomberg)