Der Streit zwischen dem Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) und dem Versicherungsvergleichsportal Check24 geht auch im neuen Jahr weiter. Michael H. Heinz, Präsident des Vermittlerverbandes, erneuert gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) die bekannten Vorwürfe gegenüber Check24.

Im Kern dreht sich die Auseinandersetzung zwischen den klassischen Vermittlern und dem Online-Makler um die Frage, ob eine Beratung zu Versicherungsprodukten auch im Internet so sorgfältig erfolgen kann wie in der realen Welt. Das Landgericht (LG) und das Oberlandesgericht (OLG) München haben entschieden, dass das grundsätzlich möglich sei: Wichtig sei vor allem, dass die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle gestellt werden (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Keine echte Beratung
"Eine echte Beratung mit einem Verbraucherschutz, der diesen Namen auch verdient, ist ohne den Dialog mit einem Versicherungsvermittler nach unserer Auffassung nicht denkbar. Nur ein paar Multiple-Choice-Fragen zu beantworten reicht bei weitem nicht aus. Wir werden in jedem Fall ganz genau beobachten, wie Check24 nach dem IDD-Start am 23. Februar die Kunden beim Versicherungsverkauf berät", hält Heinz gegenüber der FAZ dagegen, und gibt sich kampfeslustig: "Notfalls könnten wir ja auch ein neues Gerichtsverfahren anstrengen."

Der BVK hat im Urteil des OLG München vom April 2017 aber einen anderen Aspekt ausfindig gemacht: Die Frage der korrekten Erstinformation. Hintergrund: Alle Versicherungsvermittler müssen laut Paragraf 11 Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV) ihren Status klar offenlegen. Das hat auch das OLG München betont.

Die Frage ist aber, wie das in der Praxis konkret umsetzbar ist. Check24 hat der FAZ zufolge das Problem so gelöst: Auf der Startseite erscheint zunächst zum einen ein Banner mit dem Satz "Erstinformation – Check-24 ist immer für Sie da, Ihr unabhängiger Versicherungsmakler und vielfacher Testsieger". Wird das blau hinterlegte Wort "Erstinformation" angeklickt, öffnet sich ein Fenster mit den Hinweisen gemäß VersVermV.

"Check24 ist eine Verkaufsmaschine"
Das alles sei völlig intransparent und verstoße zudem gegen die Rechtsprechung, entgegenet Heinz gegenüber der FAZ. Denn: "Check24 ist eine Verkaufsmaschine". Daher läuft seit Oktober 2017 ein Ordnungsmittelverfahren beim LG München I, an deren Ende das Portal womöglich eine Vollstreckungsstrafe droht.

Beim Münchner Online-Unternehmen selbst sieht man dem Verfahren gelassen entgegen. "Der Rechtsrahmen ist nicht abschließend geklärt", sagt Unternehmenssprecher Daniel Friedheim der Zeitung. Check24 habe nach seiner Auffassung alle Vorgaben des Gerichts umgesetzt. Dagegen habe der BVK mit dem Ordnungsmittelantrag eine völlig neue Rechtsfrage eröffnet, und zwar nach dem Zeitpunkt für die Übermittlung der Erstinformation. Laut Gesetzgeber besteht eine Informationspflicht "beim ersten Geschäftskontakt".

Der Kunde wird auf die Maklertätigkeit von Check24 nämlich auch noch dann hingewiesen, wenn er auf dem Portal beim gewünschten Versicherungsvergleich seine E-Mail-Adresse eingibt. "Das ist der erste Geschäftskontakt", sagt Friedheim der FAZ. "Erst dann wird ein Interessent zu einem echten Kunden, wenn er seine persönlichen Daten preisgibt. Daran müssen wir uns orientieren."

BVK moniert Sortierung der Policen
Der BVK überlegt zudem weitere juristische Schritte wegen der Auswahl und Sortierung der vorgeschlagenen Policen nach einer Online-Abfrage: Der Verband, aber auch Verbraucherschützer, monieren, dass Check24 Interessenten eine Transparenz und Vollständigkeit beim Sortiment suggeriert, die es in Wahrheit nicht gebe. Denn nicht alle Versicherer listen ihre Produkte bei dem Portal.

Außerdem befürchtet der BVK , dass bei der Reihenfolge der Ergebnisse die Höhe der Provision eine Rolle spiele. "Wir meinen, das ist klassische Irreführung des Verbrauchers", sagt Heinz.

Check24-Sprecher Friedheim hält dagegen: Die Höhe der Provisionen haben keinen Einfluss auf die Vergleichsergebnisse, teilt er FONDS professionell ONLINE micht. Das habe auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) in einer aktuellen bei Morgen & Morgen in Auftrag gegebenen Studie herausgefunden: "Es ist nicht feststellbar, dass die Provisionen das Ranking beeinflussen", sagt Lars Gatschke, Versicherungsexperte beim VZBV in der Süddeutschen Zeitung. "Dafür habe die Analyse keinerlei Anzeichen ergeben." (jb)