Die EU-Kommission erteilt einer Zusammenlegung der drei Finanzmarktaufsichtsbehörden eine Absage, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet. Der im März bekannt gewordene Vorschlag sei diskutiert wurden, habe aber nicht viel Unterstützung gefunden, sagte Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrovskis am Mittwoch in Brüssel. "Wir verändern die Zahl der Agenturen nicht."

Derzeit sind die Aufgaben auf die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) in Paris, die Versicherungsbehörde EIOPA in Frankfurt und die Bankenbehörde EBA in London aufgeteilt. Letztere muss sich wegen des geplanten EU-Austritts Großbritanniens eine neue Adresse suchen, sodass es der Vorschlag aufkam, zukünftig alle Behörden an einem Standort zu bündeln und eine gleich noch angedachte Neuordnung der drei Aufsichten in die Tat umzusetzen. Diese Idee wurde aber nun zu den Aktien gelegt, so Reuters.

Entscheidung über EBA-Sitz im November
Nach der Entscheidung der Kommission werden insgesamt acht Städte um den Zuschlag für den neuen Standort der EBA buhlen, darunter Frankfurt am Main. Die Stadt gilt wegen der dort angesiedelten Europäischen Zentralbank und der vielen Finanzhäuser als derzeitiger Favorit. Doch auch Luxemburg rechnet sich gute Chancen aus.

Die Staats- und Regierungschefs werden voraussichtlich im Rahmen der Sitzung des Europäischen Rates am 19. Oktober über die Standortfrage diskutieren. Das endgültige Votum könnte im November über die Bühne gehen: In einem mehrstufigen Wahlverfahren werden die Mitgliedsländer Punkte für ihre präferierten Standorte abgeben. Auch Paris, Dublin, Prag und Brüssel bewerben sich um die EBA. Die 190 Mitarbeiter der noch im Londoner Finanzdistrikt Canary Wharf ansässigen Behörde verfassen und koordinieren die Regeln für alle Geldhäuser in der Staatengemeinschaft.

Effizientere Kontrolle
Zugleich will die Kommission die Kontrolle von Banken und Finanzmärkten deutlich effizienter machen, wie Reuters schreibt. Geplant sei, einige Befugnisse von den nationalen Aufsichtsbehörden weg und auf die Ebene der EU zu verlagern. "Eine stärker integrierte Finanzaufsicht wird die Widerstandsfähigkeit der Wirtschafts- und Währungsunion erhöhen", sagte Dombrovskis. Vorgeschlagen werde etwa, kritische Finanzreferenzwerte wie den Interbanken-Zinssatz Euribor, EU-Fonds und europäische Wagniskapitalfonds stärker aus einer Hand überwachen zu lassen.

Fintech-Beaufsichtigung
Des weiteren sollen die Mitgliedstaaten ihre vielfältigen Vorstellungen zur Regulierung von Fintechs baldmöglichst vereinheitlichen und ebenfalls auf EU-Ebene bündeln lassen. Und last but not least schlägt die EU-Kommission ein neues Finanzierungsmodell für die Aufsichtsbehörden vor: Wie bisher sollen 40 Prozent der Ausgaben aus dem EU-Haushalt stammen. Die restlichen 60 Prozent sollen aber nicht mehr die Mitgliedstaaten beisteuern, sondern die Finanzinstitute selbst. (jb/ps)