Nach dem ersten Schock über die Insolvenz der P&R Gruppe wird klar, dass den mehr als 50.000 Anlegern ein komplexes Insolvenzverfahren bevorsteht. Viele Investoren fühlen sich der Bürokratie, dem Gericht und dem Insolvenzverwalter hilflos ausgeliefert. Das suggerieren auch die meisten Anlegeranwälte: Sie behaupten, dass die Anleger nur mit ihrer Hilfe ordentlich vertreten sind. Dass das nicht stimmt, ist den Betroffenen, von denen die Hälfte über 60 Jahre alt ist, oft nicht klar.

Denn die Investoren haben ein gesetzlich geregeltes Mitspracherecht und einen Gestaltungsspielraum im Insolvenzverfahren. "Die Gläubigerversammlung ist keine reine Informationsveranstaltung, sondern ein Gremium, in dem alle Anleger selbstbestimmt wichtige Entscheidungen treffen können", betont Rechtsanwalt Daniel Blazek, Partner von BEMK Rechtsanwälte, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE.

Zahlreiche Rückmeldungen von Beratern, Vermittlern und Anlegern haben gezeigt, dass die Investoren nicht wissen, wann sie worüber bei der P&R-Insolvenz entscheiden können. Dabei hat die Insolvenzrechtsreform aus dem Jahr 1999 die Rechte der Gläubiger gestärkt: Laut Professor Reinhard Bork von der Universität Hamburg wurde der Autonomie der Gläubiger unter anderem durch "erhöhte Mitspracherechte größeres Gewicht" beigemessen. FONDS professionell ONLINE nimmt das zum Anlass, mit weit verbreiteten Irrtümern über die Ohnmacht der Anleger und die Macht der "Anlegerschutzanwälte" aufzuräumen – klicken Sie sich durch unsere Fotostrecke oben. (ae)