Die North Channel Bank in Mainz hat am 20. Juni Besuch von der Staatsanwaltschaft Koblenz bekommen. Die Ermittler standen mit einem Durchsuchungsbefehl vor der Tür des kleinen Geldinstitutes mit rund 50 Mitarbeitern. Der Vorwurf: Die Bank habe angeblichen US-Pensionsfonds geholfen, den dänischen Fiskus um stattliche Summen zu prellen, wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) unter Berufung auf den Durchsuchungsbericht schreibt. Insgesamt ist von fast 1,7 Milliarden Euro die Rede, davon sollen den Ermittlungen zufolge rund 153 Millionen Euro auf die North Channel Bank entfallen. Dabei seien für vorgetäuschte Aktiengeschäfte Steuern erstattet worden, die aber nie gezahlt wurden. 

Die Aktiengeschäfte dieser US-Pensionsfonds erinnern der SZ zufolge an die Cum-Ex-Geschäfte, mit denen der deutsche Fiskus in der Vergangenheit geschröpft wurde: Auch hier wurden Steuern für Aktiengeschäfte erstattet, die gar nicht gezahlt wurden (FONDS professionell ONLINE berichtet).

Sonderprüfung durch Bafin
Offenbar waren die US-Pensionsfonds eigens für diese Geschäfte gegründet worden. Diese sollen dem Vernehmen nach beim dänischen Fiskus erfundene Börsengeschäfte angemeldet und abgerechnet haben. Die North Channel Bank habe die Konten von 27 dieser US-Pensionsfonds geführt. Diese wurden nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen von zwei US-Bürgern vertreten, die auch in weitere mehr als 180 Pensionsgesellschaften aus Übersee involviert seien.

Wie die SZ weiter schreibt, habe die Finanzaufsicht Bafin die Wirtschaftsprüfgesellschaft KPMG mit einer Sonderuntersuchung der Vorgänge bei North Channel beauftragt. Das Ergebnis: Die von der Mainzer Bank betreuten Aktientransaktionen hätten ein regelmäßiges Muster aufgewiesen, hätten aber für sich gesehen keinen erkennbaren wirtschaftlichen Nutzen gehabt. North Channel hat offenbar als Depotbank für die Aktien fungiert, habe aber keine Verträge für den Kauf und Verkauf abgeschlossen.

Bank kooperiert mit Ermittlern
Ob sich diese Anschuldigungen als wahr herausstellen, muss sich noch zeigen. Das Mainzer Geldinstitut hat der SZ gegenüber die Durchsuchung bestätigt und angegeben, diese auch "aktiv unterstützt" zu haben. Das bedeutet offensichtlich, dass die Bank mit den Ermittlern kooperiert. (jb)