In Schweden ist die Sache ganz einfach: Jedes Jahr erhalten Bürger, die für ihr Alter vorsorgen, einen Brief vom Rentenamt. Darin finden sie alle übersichtlich aufgelistet alle Summen, die sie bisher in die staatliche Rentenkasse, die betriebliche und private Altersvorsorge eingezahlt haben. Zu sehen sind auch die Ansprüche, die der Sparer später einmal erwarten darf. Und: Das Ganze ist kann zusätzlich jederzeit auf einem Online-Rentenkonto eingesehen werden.

Eine solche säulenübergreifende Rentenübersicht wäre auch für die Bundesbürger von großem Vorteil. Deshalb haben die Unionsparteien und die SPD sie im Koalitionsvertrag verankert. Dass ein solches Rentenkonto in der Tat nützliche wäre, zeigt nun auch eine erste wissenschaftliche Studie. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet, haben Wissenschaftler der Frankfurter Goethe-Universität und des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik dafür mit der Deutschen Bank und der Commerzbank kooperiert.

Interesse am Thema vorhanden
Die beiden Banken kontaktierten insgesamt 20.000 Kunden und baten sie, an einem Experiment teilzunehmen, durch das sie mehr Durchblick bei der Rente erhielten. 14.267 Teilnehmer füllten einen zugesandten Fragebogen aus. Dies zeige, dass grundsätzlich durchaus Interesse an dem Thema vorhanden sei, schreiben die Studien-Autoren der FAZ zufolge. Als es darum ging, sich zu registrieren und persönliche Daten anzugeben, blieben allerdings nur noch 7.046 Teilnehmer bei der Stange. Nur 1.061 Bankkunden stellen schließlich ihre persönlichen Rentendaten per Handyfoto, Upload oder auf dem Postweg bereit.

Die große Anzahl der abgesprungenen Teilnehmer mache deutlich, dass vereinfachte Daten und Schnittstellen die Hürden senken könnten, sich über Rentenansprüche zu informieren, schreiben die Autoren der Studie. Eine Untersuchung unter 1.061 Teilnehmern sei aber statistisch aussagekräftig, auch wenn Bildungsgrad und Gehalt der Probanden überdurchschnittlich hoch gewesen seien.

Interessante Ergebnisse
Die Ergebnisse der Studie: 80 Prozent der Teilnehmer verstehen die Standmitteilungen ihrer Versicherungen. 53 Prozent sind der Ansicht, zu wenig zu sparen, 43 Prozent haben Angst vor Altersarmut, und 66 Prozent können ihr Alterseinkommen nicht einschätzen. Zudem fühlten sich 61 Prozent der Teilnehmer durch den Einsatz des "Rentencockpits" – ein Tool, das ein Fintech entwickelt hat, und das die Wissenschaftler für die Untersuchung nutzten – gut informiert.

64 Prozent bezeichneten das Tool als hilfreich für die Planung der Altersvorsorge. 28 Prozent gaben an, mit einer höheren Rente gerechnet zu haben. 23 Prozent sagten umgekehrt, ihre Rente sei höher als zuvor erwartet. Jeweils ein Drittel berichtete, das Gefühl der Sicherheit habe zugenommen, sei gleich geblieben oder habe sich verschlechtert. Jeder fünfte Teilnehmer plant nun, mehr vorzusorgen.

Technisch machbar
Eine größere Rententransparenz sei technisch machbar sei und würde den Verbrauchern einen individuellen Zusatznutzen bringen, lautet der FAZ zufolge das Fazit der Wissenschaftler. Hätten die Bundesbürger bessere Kenntnisse darüber, welche Summen sie im Alter einmal erwarten, könnten sie rechtzeitig mehr Geld für den Ruhestand sparen. Wie in Schweden. (am)


Einen ausführlichen Bericht zur digitalen Rentenübersicht finden Sie auch in FONDS professionell 2/2018 (Seite 324). Angemeldete FONDS professionell KLUB-Miltglieder können den Beitrag auch bequem hier im E-Magazin nachlesen.