Investoren, die privat festverzinsliche Darlehen ausgegeben haben und deren Schuldner Pleite gehen, hatten durch die Verluste bisher auch steuerliche Nachteile: Sie konnten die ausgefallenen Rückzahlungen nicht bei der Einkommensteuererklärung geltend machen. Dieser Auffassung der Finanzämter hat der Bundesfinanzhof (BFH) in einem aktuellen Urteil vom 24. Oktober 2017 nun klar widersprochen (Az. VIII R 13/15).

Im konkreten Fall ging es um ein Ehepaar, dass einem Dritten 2010 ein verzinsliches Darlehen gewährte. Ab August 2011 blieben die Rückzahlungen aus. Wenig später wurde über das Vermögen des Schuldners das Insolvenzverfahren eröffnet. Das Ehepaar meldete die noch offene Darlehensforderung zur Insolvenztabelle an und machte deren Ausfall als Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen geltend. Doch dem folgten Finanzamt und Finanzgericht (FG) nicht.

Ausfall eines Schuldners ist steuerlich ein Verlust
Die Revision der Eheleute hatte Erfolg. Der BFH schreibt in seiner Urteilsbegründung, dass  mit Einführung der Abgeltungsteuer seit 2009 eine vollständige steuerrechtliche Erfassung aller Wertveränderungen im Zusammenhang mit Kapitalanlagen erreicht werden sollte. Somit führe "der endgültige Ausfall einer Kapitalforderung nach Einführung der Abgeltungsteuer zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust in der privaten Vermögenssphäre".

"In der Folge dieses Paradigmenwechsels führt der endgültige Ausfall einer Kapitalforderung in Sinne des Paragrafen 20 Absatz 1 Nr. 7 Einkommenssteuergesetz (EStG) also zu einem gemäß Paragraf 20 Absatz 2 Satz 1 Nr. 7, Satz 2, Absatz 4 EStG steuerlich zu berücksichtigenden Verlust", so der BFH in schönsten Juristendeutsch. Insoweit sei nunmehr eine Rückzahlung der Kapitalforderung, die ohne Berücksichtigung der gesondert erfassten Zinszahlungen unter dem Nennwert des hingegebenen Darlehens bleibt, dem Verlust bei der Veräußerung der Forderung gleichzustellen.

Letzter Fallstrick
Allerdings liege ein steuerbarer Verlust aufgrund eines Forderungsausfalls erst dann vor, wenn endgültig feststehe, dass über bereits gezahlte Beträge hinaus keine weiteren Rückzahlungen mehr erfolgen werden. Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen eines Schuldners reicht dem BFH hierfür in der Regel nicht aus.

Etwas anderes gelte, wenn die Eröffnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse abgelehnt wird oder aus anderen Gründen feststeht, dass keine Rückzahlung mehr zu erwarten ist. Hierzu habe das FG in einem zweiten Rechtsgang weitere Feststellungen zu treffen. (jb)