Eine Agenturleiterin setzt der Allianz unverändert zu: Die Vertreterin kämpft seit einiger Zeit vor dem Landgericht München I um Schadensersatz in sechsstelliger Höhe wegen falsch gebuchter und abgerechneter Versicherungsverträge, wie der Branchendienst "Versicherungswirtschaft Heute" (VDH) meldet. In Folge dieser Fehler hat die Vermittlerin zu geringe Rentenansprüche erhalten (FONDS professionell ONLINE berichtete). Am 19. September soll das Urteil fallen, das Präzedenzcharakter hat.

Der Reihe nach: Der Versicherer gewährt seinen offiziell freischaffenden Versicherungsvertretern eine Alters-, bei Bedarf auch eine Berufsunfähigkeits- oder Hinterbliebenenrente, die über ein konzerneigenes Versorgungswerk organisiert wird. Als Grundlage für die Berechnung der Rentenhöhe dienen die Bestände, die ein Vertreter während seines Erwerbslebens aufbaut. Für jeden selbstvermittelten oder von einem anderen Agenten übernommenen und veränderten Vertrag fließt nicht nur eine Provision der Allianz, ein Teil wird auch für die Altersvorsorge des Vertreters angerechnet. 

Bei der Vermittlerin, die eine Allianz-Generalvertretung in einer süddeutschen Großstadt betreibt, gab es aber Unregelmäßigkeiten bei der Berechnung dieser Ansprüche. Schon 2008 stellte sie ihrer Ansicht nach gravierende Fehler fest. Insgesamt sollen mehr als 1.000 Abschlüsse, hauptsächlich Lebens- und Sachversicherungen, bei der Ermittlung ihrer Altersvorsorge-Ansprüche nicht korrekt verbucht worden sein.

Streitwert 400.000 Euro
Die Allianz hat den Berichten zufolge im Jahr 2012 die Fehler korrigiert, dennoch fand die Vertreterin immer wieder neue Unregelmäßigkeiten. Daher zog sie im Herbst 2017 vor Gericht, um mittels einer Feststellungsklage unter anderem korrekte Auskünfte über die ihr zustehenden Versorgungsleistungen zu erhalten. Die Vermittlerin vermutet ein System hinter den Fehlern. Dennoch stand damals auch eine außergerichtliche Einigung im Raum.

Laut VDH ist diese wohl vom Tisch. Die Vermittlerin fordere 312.000 Euro allein als Schadenersatz für ihren Arbeitseinsatz und für die Korrekturen der Fehler. Dazu kommen noch 80.000 Euro geforderte Freistellungsentschädigungen. Außerdem verlangt sie Einblick in die Berechnungen der hier zuständigen Allianz Beratungs- und Vertriebs-AG (ABV). Ob die Entscheidung am 19. September das Ende dieses Kapitels für die Allianz bedeutet, ist aber unklar. Dem Dax-Konzern könnten weitere Klagen anderer Vermittler ins Haus stehen, die in einer ähnlichen Situation sind. (jb)