Die zunehmende Bürokratie zwingt manche Bank zu radikalen Schritten. Einige Institute hätten sich nach Einführung der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II zu Jahresbeginn ganz aus der Anlageberatung zurückgezogen, sagte Hans-Walter Peters, Präsident des Bankenverbandes, anlässlich der Vorstandssitzung des Verbandes in Berlin. Gerade für kleinere Institute stünden die Kosten in keinem ausgewogenen Verhältnis mehr zu den Erträgen. Dies sei eine schlechte Nachricht für die Anleger – insbesondere in Zeiten von Nullzinsen.

Um welche Banken es sich konkret handelt, verriet Peters nicht. Auch ein Sprecher des Verbandes wollte diese Frage gegenüber FONDS professionell ONLINE nicht beantworten. Diese vertrauliche Information müssten die Banken selbst offenlegen, so der Sprecher – der Verband dürfe dies nicht. In den Arbeitskreisen des Verbandes seien aber mehrere entsprechende Fälle diskutiert worden.

"Ein Regulierungs-Check ist überfällig"
Die größeren Institute ächzen zwar unter den strengeren Vorgaben zur Anlageberatung, haben sich aber mit der Regulierung arrangiert, wie das Beispiel der Deutschen Bank zeigt. Selbst Deutschlands kleinstes genossenschaftliches Institut, die Raiffeisenbank Struvenhütten, hält an der Anlageberatung fest – die telefonische Beratung steht den Kunden seit Jahresbeginn allerdings nicht mehr zur Verfügung (FONDS professionell ONLINE berichtete). Dass sich eine Bank wegen Mifid II komplett aus der Anlageberatung zurückzieht, war bislang noch nicht öffentlich geworden.

Peters forderte eine wirksame Überprüfung der Finanzmarktregulierung. "Ein Regulierungs-Check – wie ihn auch der Koalitionsvertrag vorsieht – ist absolut notwendig und überfällig", sagte er. "Es gibt zu viele Widersprüche, Schwachstellen und bürokratische Übertreibungen in den Regulierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre." Peters betonte, dass es den Banken nicht darum gehe, sinnvolle Regulierung zurückzudrehen. Sie müsse aber von bürokratischen Lasten befreit werden. (bm)