Die Aufklärung des Wölbern-Skandals um die Veruntreuung von Anlegergeldern aus geschlossenen Beteiligungen geht in die nächste Runde. Nachdem der frühere Chef des Emissionshauses Wölbern Invest, Heinrich-Maria Schule, im April 2015 zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden war, müssen sich seit dem 8. September drei ehemalige Wegbegleiter Schultes vor dem Hamburger Landgericht veranwtorten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Betrug und Untreue, wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf die Anklageschrift meldet.

Bei den Angeklagten handelt es sich wohl um zwei ehemalige Anwälte der Kanzlei Bird & Bird und den früheren Generalbevollmächtigten des Fondshauses, Thomas K. (FONDS professionell ONLINE berichtete). Die drei sollen Schulte dabei geholfen haben, ab 2011 mittels eines Cash-Pool-Systems nach und nach Liquidität aus den Wölbern-Fonds abzuziehen. Offiziell sollte das System dazu dienen, Geld zwischen den einzelnen Immobilienfonds hin- und her zu schieben und vor alle liquide Mittel abzuschöpfen und diese "besser zu verzinsen".

Wölbern-Fonds klagen gen Bird & Bird
Rund zwei Jahre später fehlten in den Fonds aber rund 150 Millionen Euro, so das Handelsblatt. Die beiden Juristen sollen die für das Pool-System nötigen Verträge gestaltet haben. Der Generalbevollmächtigte habe laut Anklage dafür gesorgt, dass Wölbern-Verantwortliche, die die Abschöpfungen aus den Fonds nicht mittragen wollten, das Unternehmen verlassen mussten.

Der Ausgang des Strafverfahrens ist auch für die betroffenen Fonds wichtig. Diese haben eine Zivilklage gegen die Kanzlei Bird & Bird angestrengt, um die verschwundenen Millionen wiederzubekommen. Damit würde auch an die über 30.000 Anleger, die den Fonds rund 900 Millionen Euro anvertraut hatten, noch einmal Geld fließen. Die Kanzlei hat dagegen Gegenklage erhoben. (jb)