Am Dienstag ließ die Staatsanwaltschaft Dresden deutschlandweit Büros der Firmengruppe um Infinus und Future Business durchsuchen und Material beschlagnahmen. FONDS professionell ONLINE beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Fall.

Was wird dem Unternehmen vorgeworfen?
Die Staatsanwaltschaft Dresden verdächtigt die Firmengruppe um Infinus und Future Business, rund 25.000 Anleger betrogen zu haben. Es gehe um ein Anlagevolumen in Höhe von insgesamt rund 400 Millionen Euro, teilte das sächsische Landeskriminalamt (LKA) am Mittwoch mit. Ermittelt wird gegen sechs Deutsche und zwei Österreicher. Die sechs deutschen Beschuldigten im Alter von 44 bis 52 Jahre wurden verhaftet. Sie sollen bei der Ausgabe von Orderschuldverschreibungen in Verkaufsprospekten unrichtige Angaben zur Vermögens- und Ertragslage der Emittenten gemacht haben.

Rund 400 Beamten durchsuchten in Dresden, Stuttgart, in der Nähe von Köln, Frankfurt, Traunstein sowie in Salzburg Geschäftsräume von rund 30 Firmen sowie die Privaträume der acht Beschuldigten. Ein Sprecher des LKA sagte gegenüber FONDS professionell ONLINE, es sei eine "Vermögenssicherung in erheblichem Umfang" vorgenommen worden.

Wie funktioniert das Firmenkonstrukt überhaupt?
Oft wird pauschal lediglich von "Infinus" geschrieben, doch so einfach ist es nicht. Kern der Unternehmensgruppe ist die im Jahr 2000 gegründete Future Business KGaA. Sie hat zahlreiche Tochterunternehmen, das wichtigste ist die Infinus AG Ihr Kompetenz-Partner. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um einen Maklerpool, dem sich rund 2.500 Finanzberater angeschlossen haben. Als rechtlich eigenständige Gesellschaft besteht daneben die von der BaFin kontrollierte Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut, ein Haftungsdach, unter dem etwa 850 gebundene Vermittler arbeiten. Damit ist das Institut das größte Haftungsdach der Republik. Für die Firmengruppe ist diese sogenannte "blaue" Infinus sehr wichtig, denn nur ihre Vermittler dürfen die Orderschuldverschreibungen und Genussrechte der Future Business verkaufen, mit denen das Unternehmen seine Geschäfte finanziert (siehe auch die Grafik am Ende dieses Artikels).

Wie viel Geld ist bei Infinus und Future Business investiert?
Ende 2012 hatte die Future Business KGaA Orderschuldverschreibungen (Anleihen) für 589,2 Millionen Euro ausstehen. In Genussrechten steckten weitere 39,7 Millionen Euro. Genussrechte und Orderschuldverschreibungen haben außerdem Unternehmen der Prosavus-Gruppe begeben. An diesem Konzern ist Future Business mit 20 Prozent beteiligt, weitere Anteile liegen bei Top-Managern der Unternehmensgruppe.

Warum kamen die Papiere so gut an?
Besonders gut haben sich die kurzlaufenden Orderschuldverschreibungen verkauft: 424,9 Millionen der insgesamt ausstehenden 589,2 Millionen Euro sind in Papieren mit einer Restlaufzeit unter einem Jahr investiert. Der Grund liegt auf der Hand: Kurzlaufende Anleihen, die einen festen Zins bieten, sind ein echtes Alleinstellungsmerkmal des Future-Business-Konzerns. Sehr gut kamen etwa die Orderschuldverschreibungen mit 90 Tagen Mindestlaufzeit an. Sie bieten sechs Prozent Zinsen pro Jahr.

Haben die Anleger bislang immer ihr Geld erhalten?
Ja, zumindest ist nichts Gegenteiliges zu hören. Seit Unternehmensgründung bis Mitte 2013 wurden Orderschuldverschreibungen für sage und schreibe 1,8 Milliarden Euro emittiert. 1,1 Milliarden Euro davon wurden über die Jahre schon wieder zurückbezahlt – stets pünktlich und vollständig.

Womit verdient der Konzern sein Geld?
Future Business kauft unter anderem Lebensversicherungen auf und führt diese bis zum Laufzeitende weiter. Dazu kommen Immobilieninvestments, vor allem im Dresdener Raum, und seit 2011 auch Edelmetallanlagen. Als Investments sieht der Konzern außerdem seine zahlreichen Beteiligungen an. Seit Ende 2012 gehören etwa Brenneisen Capital, ein Spezialist für geschlossene Fonds, und Hans John, der führende Makler für Vermögenschadenshaftpflichtversicherungen, zum Konzern.

Wirft das operative Geschäft genügend Bares ab, um die Zinsen der Anleger zu bedienen?
Auf dem Papier ja, aber auch nur dort – zumindest in den vergangenen beiden Jahren. Recherchen von FONDS professionell zeigen, dass ein ungewöhnliches Sparplangeschäft die Zahlen des Konzerns besser aussehen lassen, als sie es ohne diesen Deal gewesen wären. Das Geschäft hat allein 2012 für mehr als 80 Millionen Euro zusätzlichen Umsatz und Gewinn gesorgt – und außerdem den operativen Cashflow ins Plus gehievt. Ohne den Deal hätte der Konzern 2011 und 2012 rote Zahlen geschrieben. Fraglich ist, wie die Geschäftszahlen für 2013 aussehen werden. Noch im September teilte der Konzern gegenüber FONDS professionell mit, für das laufende Jahr eine Umsatzsteigerung, einen Gewinn und einen positiven operativen Cashflow zu erwarten.

Unklar ist noch, ob die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in die gleiche Richtung zielen wie die Rechercheergebnisse von FONDS professionell. Es spricht allerdings einiges dafür – unter anderem die Tatsache, dass das fragliche Sparplangeschäft mit Hilfe eines Salzburger Unternehmens abgewickelt wurde.

Wo liegen jetzt die größten Risiken für Anleger?
Die große Frage ist, was passiert, wenn Anleger, die durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aufgeschreckt wurden, alle auf einen Schlag ihr Geld wiederhaben wollen. Fast drei Viertel der ausstehenden Papiere können binnen eines Jahres gekündigt werden. Passiert das, muss der Konzern in recht kurzer Zeit über 400 Millionen Euro Bares besorgen. Top-Manager des Unternehmens haben zwar stets beteuert, dass das zu schaffen sei, die Nagelprobe steht aber aus (siehe auch den Kommentar von FONDS professionell-Redakteur Bernd Mikosch: "Infinus: Stunde der Wahrheit").

Wie sollten sich Vermittler jetzt verhalten?
In einem internen Rundschreiben des Vermittlerverbandes AfW, das FONDS professionell vorliegt, rät Rechtsanwalt Norman Wirth: "Erst einmal Ruhe bewahren! Eine Ermittlung ist keine Verurteilung. Vermittler sollten sich von der Hektik ihrer Kunden und Drohgebärden von Anwälten nicht beeindrucken lassen. Aus unserer Erfahrung in solchen Fällen wissen wir, dass – sollte es ernst werden – bei entsprechend fachkundiger Prozessführung durch einen versierten Rechtsanwalt oft sehr gute Erfolgsaussichten für den Vermittler bestehen." Im Kontakt mit den Kunden rät er, weder rechtsberatend tätig zu werden noch eine persönliche Stellungnahme zur der derzeitigen oder zukünftig möglichen Situation abzugeben – vor allem nicht schriftlich. "In jedem Fall sollten Sie bemüht sein, weiterhin das bisherige Vertrauensverhältnis zu Ihren Kunden bestehen zu lassen. Für Fragen Ihrer Kunden sollten Sie erreichbar sein und diese, soweit möglich, sachlich beantworten. Mehr aber auch nicht!"

Welche Rolle spielt die Finanzaufsicht BaFin?
Medienberichten zufolge war die BaFin an den Ermittlungen und Durchsuchungen beteiligt. Offiziell bestätigt wird das von einer Sprecherin der Behörde mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht. Sollten sich die Vorwürfe – welcher Art auch immer – erhärten, dürfte reflexartig der Vorwurf laut werden, wie so etwas in einem BaFin-kontrollierten Finanzdienstleistungsinstitut passieren konnte. Die BaFin darf allerdings nur bei Verstößen gegen das Aufsichtsrecht handeln, und Infinus hat schon aus eigenem Interesse peinlich genau darauf geachtet, stets alle Anforderungen zu erfüllen. Bei einem Verdacht auf strafrechtliche Vergehen ist die BaFin nicht befugt, gesetzliche Maßnahmen zu ergreifen.

Wie reagiert Infinus?
"Wir stehen diesen angeblichen Vorwürfen mehr als ratlos gegenüber", sagte Kewan Kadkhodai, Vorstand der Infinus AG Ihr-Kompetenz-Partner, laut einer Stellungnahme vom Dienstagabend. "Aus unserer Sicht sind die Vorwürfe haltlos und durch nichts zu begründen, denn gerade in einem so sensiblen Bereich wie dem unseren ist es unausweichlich, nicht nur absolut auf dem Boden der Gesetze, sondern auch aufs Engste mit den zuständigen Behörden wie beispielweise auch der BaFin zusammenzuarbeiten." Dies hätte man bis zum heutigen Tage für jedermann nachvollziehbar und auch transparent getan. Umso unverständlicher sei deshalb die Aktion vom Dienstag, die in ihrer Dramatik kaum noch zu steigern sei, so Kadkhodai. Infinus wolle gegenüber den zuständigen Behörden "schnell und unmissverständlich auf eine schnelle Aufklärung der Vorwürfe" dringen. "Dabei werden wir schon aus eigenem Interesse umfassend und ergebnisorientiert mit den diesbezüglichen Stellen zusammenarbeiten, damit wir sobald wie möglich wieder unsere normale Geschäftstätigkeit aufnehmen können", so Kadkhodai abschließend. (bm)

Future Business und Infinus: Firmenstruktur und wichtige Akteure

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