Konsum- und Anlagewelt haben vieles gemeinsam: In beiden geben junge Menschen den Ton an. Ob es um die für Werbetreibende wichtige Zielgruppe bei den Einschaltquoten im Fernsehen geht oder um das Marketing für Investmentstrategien: Menschen jenseits der 50 finden kaum statt.

Wenn die sogenannten "Best Ager" dann doch mal gezielt angesprochen werden sollen, überwiegen die immer gleichen Motive: In den Anzeigen von Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften dominieren agile grauhaarige Paare, die auf Kreuzfahrtschiffen ihr Erspartes verjubeln. Außer "Vermögensverzehr" scheint vielen Anlagespezialisten zum Thema "50plus" nicht viel einzufallen.

Dabei zeigen Umfragen immer wieder, dass ausgerechnet die sogenannten "Best Ager", also Berufstätige zwischen 50 und 65 Jahren, neuen und auf sie zugeschnittenen Anlage- und Vorsorgeprodukten gegenüber besonders aufgeschlossen sind. Anders als die internetfixierte "Generation Y" sind sie sehr beratungsaffin und verfügen obendrein auch noch über das nötige Kleingeld für künftige Investments. Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts "Heute und morgen" vom April zeigt: Fast jeder zweite Best Ager (46%) erwartet in den kommenden Jahren die Auszahlung einer Lebensversicherung. Zwei Drittel (67%) davon können sich vorstellen, zumindest einen Teil davon zu reinvestieren.

Auch Entsparen will gelernt sein
Mehr als 30 Millionen Deutschen sind heute schon älter als 50 Jahre, und dank des demografischen Effekts wird diese Gruppe in den kommenden Jahren rasant größer. Den Ruhestand fest im Blick haben sie besondere Wünsche und stellen spezielle Anforderungen an Anlageplanung und ihren Berater. "Die Bedürfnisse und Wünsche hinsichtlich der Vermögensstrukturierung, aber auch zu Themen wie Erbschaft oder Pflege unterscheiden sich deutlich von denen jüngerer Generationen", sagt Professor Rolf Tilmes, Vorstandschefdes Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB).

Während jüngere Menschen nur einen groben Plan für die Altersvorsorge hätten, sei ab 50 ein konkreter Kostenplan sinnvoll. Grund: Die persönliche finanzielle Situation lässt sich nun viel konkreter einschätzen als beispielsweise mit Anfang 30. Nun gehe es für professionelle Berater in erster Linie darum, Strategien zu entwickeln, wie im Alter mit dem aufgebauten Vermögen optimal umgegangen wird. "Das Entsparen will und muss genauso professionell geplant sein wie der Ansparvorgang", ergänzt Tilmes.

Fallen lauern auch auf "50plus"-Anleger
Erfahrung schützt nicht vor Torheiten: Auch "50plus"-Anlegern unterlaufen Fehler. "Viele Ältere achten beispielsweise zu wenig auf die Verfügbarkeiten des Geldes", hat Tilmes beobachtet. Auch würden inflationäre Entwicklungen oder finanzielle Aufwendungen bei einer möglichen Pflegebedürftigkeit regelmäßig unterschätzt.

Wenn der Anleger etwa in der Phase des Vermögensaufbaus einen Großteil in Immobilien oder langfristige Beteiligungen steckt, kann er im Ernstfall im Alter nicht schnell genug verkaufen. Ein weiterer häufiger Irrtum: Die Altersvorsorge hört mit dem Renteneintritt auf, das Ersparte fürs Alter wird als Gesamtsumme betrachtet. "Doch das angesparte Vermögen muss nicht ab einem gewissen Alter vollständig verfügbar sei"“, sagt der FPSB-Vorstand. Wichtiger sei es, das Geld nach seiner Verfügbarkeit zu klassifizieren und so sukzessive über den Ruhestand hinweg zu verzehren.

Auch das Thema "Nachlassregelung" wird im fortgeschrittenen Alter wichtiger. Aspekte wie Erbschaft, Pflege oder Vorsorgevollmacht rücken zunehmend in den Mittelpunkt. "Bei der Finanzplanung für diese Zielgruppe geht es vor allem darum, die Weichen zu stellen, um den erreichten Lebensstandard in der Ruhestandsphase aufrechtzuerhalten und vorhandene Versorgungslücken zu schließen", fasst Tilmes abschließend zusammen. (ps)