BNP Paribas ist künftig neuer Eigentümer der DAB Bank. Die französische Bank wird das Aktienpaket der Unicredit Bank von 81,39 Prozent an dem Online-Broker und Fondsplattform übernehmen. Beide Parteien haben sich auf einen Preis von 4,78 Euro pro Aktie geeinigt, so dass die Transaktion ein Volumen von 435 Millionen Euro hat, wie BNP Paribas in einer Pressemeldung schreibt. Allerdings steht die Transaktion noch unter dem Vorbehalt der Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrats der Unicredit Bank und der Genehmigung der Regulierungs- und Kartellbehörden.

Medienberichte, dass die Unicredit Bank ihre Tochter verkaufen wolle, hat es bereits Anfang April gegeben (FONDS professionell ONLINE berichtete). Der Gewinn der DAB Bank war Ende 2013 um ein Drittel auf 12,3 Millionen Euro zurückgegangen. Gleichzeitig hatte die italienische Mutter Unicredit für 2013 aufgrund von Abschreibungen einen Verlust von 14 Milliarden Euro verkraften müssen. Allerdings war das Vorsteuerergebnis der DAB im ersten Halbjahr wieder um fast ein Drittel auf 12,5 Millionen Euro geklettert.

BNP Paribas wiederum baut mit der Übernahme sein Online-Banking- und Depotbankgeschäft in Europa weiter aus. Nach eigenen Angaben kann die Bank die Zahl ihrer deutschen Kunden mit der Übernahme auf rund 1,4 Millionen nahezu verdoppeln. Das verwaltete Vermögen liege bei etwa 58  Milliarden Euro. Fast genau vor einem Jahr hatte BNP bereits das Depotbank-Geschäft der Commerzbank übernommen (FONDS professionell ONLINE berichtete). Laut der Depotstatistik des deutschen Fondsverbandes BVI betreute BNP Ende 2013 für Kapitalanagegesellschaften 201 Milliarden (davon 3,6 Milliarden Euro in Publikumsfonds). Nur die State Street Bank lag mit einem betreuten Vermögen von 204 Milliarden Euro noch vor der BNP.

Verschwindet eine Bank vom deutschen Markt?
Die Finanzbranche in Deutschland wird die nächsten Schritte der französischen Großbank, die bald neben Cortal Consors eine zweite Direktbank in Deutschland ihr eigen nennen kann, aufmerksam beobachten. Anfragen von FONDS professionell ONLINE ob beide Banken verschmolzen werden oder prinzipiell eigenständig bleiben sollen hat ein BNP Paribas-Sprecher als verfrüht bezeichnet. Man wolle Schritt für Schritt vorgehen, zumal die Übernahme noch nicht besiegelt sei.

"Der Zukauf der DAB Bank ist eine einmalige Gelegenheit, um in Deutschland weiter zu wachsen", kommentiert Camille Fohl, Deutschlandchef von BNP Paribas und Chairman des deutschen Management Boards. "Wir können so unsere Kunden- und Einlagenbasis deutlich erhöhen und auch verbreitern und so den Ausbau unserer Geschäftsfelder im Rahmen des strategischen Wachstumsplans in Deutschland unterstützen." Die DAB Bank teilte zu dem Verkauf lediglich mit, dass der Vorstand auf Basis der ihm mitgeteilten Informationen einer Übernahme grundsätzlich positiv gegenüber stehe.

Die DAB Bank betreut aktuell in Deutschland 567.000 Kunden, in Österreich 67.000 Kunden. Die Gesamteinlagen belaufen sich laut BNP Paribas auf fünf Milliarden Euro, und der Wertpapierbestand besitzt einen Wert von 30 Milliarden Euro. Cortal Consors hat rund 790.000 Privatkunden. Als Vergleich: Die Comdirekt zählte Ende des zweiten Qurtals 2014 2,8 Millionen Kunden. (jb)