Die Aufbereitung des Anlegerskandals um die Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung (BWF) geht in die nächste Runde. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat Anklage wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs gegen die Verantwortlichen erhoben, wie das Wirtschaftsmagazin "Capital" unter Berufung auf Berliner Justizkreise meldet.

Ein Behördensprecher bestätigte dem Magazin, dass die 222 Seiten dicke Klageschrift den Beschuldigten bereits Mitte Februar zugestellt wurde. Zwar müsse das Gericht noch prüfen, ob es die Anklage zulässt. Doch daran bestehe laut Capital kaum ein Zweifel. Drei der sechs Beschuldigten sitzen bereits in Untersuchungshaft.

Die auch unter dem Namen "Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung" oder "Bund Deutscher Treuhandstiftungen" bekannt gewordene Gesellschaft steht unter dem Verdacht, zwischen August 2011 und Januar 2015 bei rund 6.500 Kleinanlegern mehr als 57 Millionen Euro eingesammelt und angeblich in Gold angelegt zu haben. Allerdings waren von den rund vier Tonnen Gold, die in dem Tresorraum einer Villa in Berlin-Zehlendorf gefunden wurden, nur ganze 324 Kilogramm echt. Der Rest war mehr oder weniger wertloses Füllmaterial, hauchdünn mit Gold überzogen – oder gleich nur mit Lack besprüht.

Auch Bafin involviert
Neben diesem Betrugsvorwurf muss sich die Gesellschaft mit der Finanzaufsicht auseinandersetzen. Die Bafin ermittelt auch wegen des Verstoßes gegen das Kreditwesengesetz (KWG), weil die BWF Anlegern nicht nur physisches Gold zum Erwerb angeboten hatte, sondern sich zugleich verpflichtet hatte, dieses nach einer bestimmten Zeit mit kräftigen Aufschlägen aus den ursprünglichen Preis zurückzukaufen. Dies ist laut Gesetzesdefinition ein erlaubnispflichtiges Einlagengeschäft, für das sie keine Lizenz hatte. (jb)