Das CFA Institute und die CFA Society Austria luden in Wien zur Herbstveranstaltung unter dem Titel "Women in Finance". Rund 100 Teilnehmer verfolgten neben interessanten Vorträgen auch eine prominent besetzte Podiumsdiskussion und nutzten die Gelegenheit zum Networking.

Extra-Meile und Selbstvermarktung
Ursula Radeke-Pietsch, Leiterin der Globalen Kapitalmarktthemen bei Siemens, berichtete in ihrem Vortrag über ihren Karriereweg in die Führungsetage bei Siemens. Radeke-Pietsch riet den anwesenden Zuhörern, einerseits immer offen für Opportunitäten zu sein und vor allem ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen: "Wenn man die Extra-Meile im Beruf geht, sollte man auch etwas dazu sagen. Sonst wird es als ganz normal angesehen oder womöglich gar nicht bemerkt."

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Anke Dembowski, Geschäftsführerin des Frauennetzwerks "Die Fondsfrauen", erklärte in ihrem Vortrag, warum bzw. wie Frauen anders investieren als Männer. Beispielsweise traden Frauen deutlich seltener als Männer und gehen bei der Geldanlage weniger Risiken ein. Da Frauen aufgrund einer höheren Lebenserwartung länger leben als Männer und im Alter entsprechend mehr Geld benötigen, sei eine Beschäftigung mit Finanzthemen jedenfalls notwendig.

Lebhafte Diskussion
Auch auf der anschließenden Podiumsdiskussion wurde über Frauen und Karriere gesprochen. Susanne Höllinger, CEO der Kathrein Privatbank, warnte davor, Frauen zu sehr unter Druck zu setzen: "Frauen sollten Karriere machen können, wenn sie dies wollen. Aber wir sollten sie nicht unter Erwartungsdruck setzen, dass sie neben einem perfekten Aussehen, einer perfekten Mutter und Gattin nun auch noch die perfekte Karriere hinlegen müssen."

Martha Oberndorfer, die als Generalsekretärin der Österreichischen Bundes- und Industriebeteiligungen z.B. den Verkauf der Casinos Austria erfolgreich abgewickelt hat, möchte Frauen zwar gleiche berufliche Chancen einräumen, "aber wir sollten nicht Frauen fördern, nur um deren Frausein." Damit war das Thema Quote angeschnitten: Gabriele Jandrisevits-Herzog, Leiterin der Abteilung Asset Management bei den Wiener Stadtwerken, erklärte, dass eine Quote womöglich vorübergehend notwendig sei, da ohne diesen Zwang der Frauenanteil in den Führungsetagen vieler Unternehmen offenbar nicht erhöht werde. Sie ergänzt: "Ich denke Netzwerke – unabhängig vom Gender-Thema – sind auf jeden Fall sinnvoll." Bei allem Streben nach Karriere und Gleichberechtigung sollten aber Frauen immer noch Frauen bleiben.

Franz Schellhorn, Leiter der Agenda Austria und einziger Mann auf dem Podium, erklärte: "Der niedrige Frauenanteil in Führungsetagen ist auch ein volkswirtschaftliches Problem. Deswegen sollten Chefs talentierten Frauen aktiv höhere Posten anbieten, wenn diese nicht selbst darauf drängen. Das ist eine viel bessere Lösung als eine Quote." Außerdem macht er deutlich, dass er reine Männerrunden genauso eigenartig findet wie reine Frauenrunden und empfiehlt Frauen eher, mit Männern das Netzwerk zu stärken. "Das bringt vermutlich viel mehr." (ad/aa)