Sein mittlerweile 10. Jubiläum feierte der Finance & Ethics Kongress vergangen Woche in Wien. Software-systems.at Gründer und Kongressorganisator Richard Lernbass konnte über 140 Gäste im Reitersaal der Österreichischen Kontrollbank begrüßen (siehe Fotogalerie), das Kongressthema 2012 lautete „FER 3D Länder-Screening Eine Ergänzung zu Länderratings?“.

Das von Lernbass im Rahmen des Kongress präsentierte FER 3D Länder-Screening berücksichtigt nicht nur einseitig wirtschaftliche und politische Indikatoren, sondern auch soziale und öko­logische Faktoren, um die Stabilität und ­Zukunftsfähigkeit eines Landes zu bewerten. „Bei einem langfristigen Investitionshorizont gewinnen nichtökonomische Stärken eines Landes deutlich an Bedeutung“, erklärt ­Lernbass. Derzeit werden über 64 Staaten anhand zahlreicher Indikatoren aus den Teilbereichen Soziales, Umwelt und Wirtschaft analysiert und zu einem Gesamtergebnis in Form einer Punktewertung (von 0 bis 100) zu­sammengefasst. „Unser Länderscreening ­erlaubt es Investoren, Anlageentscheidungen unter Berücksichtigung ihrer individuellen ethischen und ökologischen Wertvorstellungen zu treffen“, ist Lernbass überzeugt. Das Modell zeichne ein umfassenderes, nach­haltigeres Bild eines Landes, sei aber nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung konven­tioneller Ratings gedacht.

Bereichert wurde der Kongress auch diese Jahr wieder durch interessante Fachvorträge, etwa von Wirtschaftsethiker Karl-Heinz Brodbeck, Ökonom und Kulturwissenschafter Walter Ötsch. Brodbeck, Mitbegründer und Herausgeber der Schriftenreihen der Finance & Ethics Academy, setzte sich mit der philosophischen Frage auseinander, wie die Nutzung von Geld als Tauschmittel unser Denken nicht nur beeinflusst, sondern geformt hat. Der Wert des Geldes basiere nur noch auf Vertrauen, seit der Goldstandard 1973 aufgegeben worden sei. Auch die Ratingagenturen seien nur so mächtig, weil ihnen Politiker, Unternehmer und Investoren quasi unbegrenzte Macht und Vertrauen zugestehen würden. Würden Anlageentscheidungen nicht mehr allein aufgrund einer Herabstufung eines Länderratings fallen (müssen), würde die Macht der Ratingagenturen bröckeln. Prof. Brodbeck unterstrich, dass es noch längere Zeit dauern werde, bis die globale Wirtschaftskrise überstanden sei. Die Ratingagenturen hätten viele, viele Jahre gebraucht, um sich ihren Einfluss zu sichern. Daher dürfe niemand erwarten, dass über Nacht eine grundlegende Reform des heutigen Systems der Länderratings möglich sei. Das neue FER 3D Länder-Screening sei jedoch ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Prof. Ötsch, Leiter des Instituts für Gesamtanalyse der Wirtschaft (ICAE) sowie Leiter des Zentrums für Soziale und Interkulturelle Kompetenz an der Johannes Kepler Universität Linz, schlug einen großen philosophie- und wirtschaftsgeschichtlichen Bogen von den Wurzeln des klassischen Liberalismus, der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, der Schaffung des Bretton-Woods-Systems fester Wechselkurse 1944 über die Krise und den Zusammenbruch des Goldstandards 1973, sowie den Ölpreisschocks der siebziger Jahre bis hin zu der immer größeren Deregulierung der Finanzmärkte in einer stetig wachsenden Zahl von Staaten, verbunden mit dem gleichzeitigen Machtzuwachs der Ratingagenturen. Ötsch wies insbesondere darauf hin, dass der Bedeutungsgewinn des Neoliberalismus und der Aufstieg der Ratingagenturen zu ihrer heutigen Macht durchaus nicht einer historischen Gesetzmäßigkeit entspreche, sondern von zahlreichen Zufällen und insbesondere den guten Beziehungen vieler Neoliberaler und der Eigentümer der Ratingagenturen zur jeweiligen Regierung abhänge.

Die Teilnehmer der lebhaften Schlussdiskussion unter der Moderation von Frau Dr. Gisela Hopfmüller stimmten trotz ihrer ganz unterschiedlichen Herangehensweisen an das Thema überein, dass wir in einem Zeitalter des rapiden Wandels, der Umbrüche und der steigenden Komplexität leben.

Damit sich alle Interessenten selbst vom FER 3D Länder-Screening überzeugen können, bietet software-systems.at unter http://www.software-systems.at/laender-screening/login bis Ende Juni 2012 noch einen kostenlosen Testzugang an. Nähere Infos zum neuem Service von software-systems.at über: Mag. Maria Polansky, Assistentin der Geschäftsführung. polansky@software-systems.at.

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