Richard Lernbass, Geschäftsführer des Finanzdatenanbieters software-systems.at, warnt nachdrücklich, dass unser Geld wahrhaft katastrophale Folgen haben kann. Anleger müssten genau wissen, wie ihr Geld angelegt wird, oder es besteht die Gefahr, dass es gegen statt für die eigenen Überzeugungen arbeitet und die persönlichen Ideale untergräbt. Themenbezogen fand am 7. Mai 2013 die erste Finance & Ethics Research (FER) Zukunftswerkstätte zum Thema "Nachhaltiges Investieren" statt. Lernbass hatte sich für das Format entschieden, weil Investoren heute aus seiner Sicht mehr wollen als "nur" eine gute Rendite zu erwirtschaften. 

Die zahlreichen Teilnehmer aus dem Finanzdienstleistungs-, Banken- und Versicherungssektor sowie engagierte Privatanleger hatten sich dazu im Curhaus im Zentrum Wiens eingefunden, um gemeinsam herauszuarbeiten, wie sie mit ihren Investitionsentscheidungen den größtmöglichen sozialen, ökologischen und ethischen Einfluss nehmen können. Wolfgang Pinner, Head of Sustainability bei der Erste-Sparinvest, sprach über die Herausforderungen für Finanzproduktehersteller bei der Entwicklung nachhaltiger Anlageprodukte. Er hob hervor, dass es nicht um zynisches "Greenwashing" gehe, sondern um eine fundierte inhaltliche Auseinandersetzung, welche die Grundlage für verantwortungsbewusste Einflussnahme darstelle. Labelling, unter anderem mit dem österreichischen Umweltzeichen, dem französischen Nachhaltigkeitslabel Novethic, oder dem EUROSIF-Transparenzlogo, erlaube es Finanzprodukteherstellern, interessierten Investoren die inhaltliche Qualität ihrer Anlageprodukte zu verdeutlichen.
 
Ökologische im Verbund mit sozialen und ökonomischen Kriterien
Universitätsprofessor Karl-Heinz Brodbeck, Finance & Ethics Academy, setzte sich mit den komplexen Voraussetzungen für "Nachhaltiges Investieren" auseinander. Die Bewahrung der Ökosysteme sei zwar eine unerlässliche Voraussetzung für nachhaltiges Investieren, doch der Aspekt der Ökologie müsse unbedingt noch um soziale und ökonomische Kriterien ergänzt werden. Nur einer integrative Betrachtung dieser drei Teilbereiche und die Schaffung größtmöglicher Transparenz erlaube es Privatanlegern und institutionellen Anlegern, Nachhaltigkeit gezielt und sinnvoll zu gestalten. 
 
Wie kann erschüttertes Vertrauen wieder gewonnen werden
Gedanken, wie das durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise erschütterte Vertrauen der Kunden in Finanzprodukte, Banken und Finanzdienstleister wieder gestärkt werden könne, machte sich Sophie Karmasin, Karmasin Motivforschung. Das wichtigste Kapital der Banken sei ihr zufolge nicht das Finanzkapital, sondern vertrauenswürdige und umfassend ausgebildete Berater. Eine Investition in bessere Beratungsqualität sei umso wichtiger, als 38 Prozent aller Österreicher an den beratungsintensiven nachhaltigen Geldanlagen interessiert seien. (dw)