"Meet the Managers" war auch dieses Jahr das Motto der Investmentkonferenz von M&G, die vor wenigen Tagen in Wien abgehalten wurde. Gastgeberin Mag. Karola Gröger, Österreichchefin von M&G, konnte ihren Gästen, allesamt professionelle Marktteilnehmer, vier namhafte Investmentspezialisten des Britischen Investmentmanagers als Vortragende bieten.

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Zinsen sind zu niedrig
Im Eröffnungsvortrag erklärte Richard Woolnough, Fondsmanager des milliardenschweren M&G Optimal Income Fund und versehen mit mehr als 28 Jahren an Erfahrung im Bereich Fixed Income, warum die Zinsen seiner Ansicht nach viel zu niedrig sind. Er prognostiziert in den USA steigende Lohnkosten sowie einen nennenswerten Konjunkturaufschwung in den meisten Industrieländern, der niedrigeren Ölpreisen geschuldet ist. Eine Leitzinserhöhung in den USA sei daher unvermeidlich. Trotzdem bevorzugt der Brite Bonds aus den USA sowie aus seinem Heimatland gegenüber Anleihen aus der Eurozone.

Lösungen für den nächsten Zinszyklus
Angesichts steigender Zinsen präsentiert James Tomlins, Manager für Hochzinsanleihen sowie Floating Rate Notes bei M&G seinen Ausblick auf das Credit-Universum unterhalb von Investment Grade und stellte im zweiten Teil seines Vortrages den im Herbst 2014 an den Start gegangenen M&G Global Floating Rate High Yield Fund vor. Tomlins ist für US-High-Yield-Bonds optimistischer als für Euroland-High-Yield-Bonds, da sich letztere im vergangenen Jahr besser als ihre US-Pendants – die wegen Problemen in der Fracking-Industrie litten – entwickelt haben. "Diese Differenz wird Auswirkungen auf zukünftige Renditen haben", erklärte Tomlins: "US-High-Yield-Bonds haben gute Chancen, europäische Hochzinsanleihen in den nächsten ein bis zwei Jahren outzuperformen."

Multi-Asset made in Britain
Im dritten Vortrag stellte Susanne Grabinger, Fondsspezialistin im Multi-Asset-Team von M&G, einige der zahlreichen hauseigenen Multi-Asset-Strategien vor. Die Briten berücksichtigen bei ihren Multi-Asset-Fonds in einem ersten Schritt im Rahmen einer strategischen Beurteilung die Preise von Vermögenswerten und erstellen eine Fundamentanalyse. Im zweiten Schritt erfolgt eine taktische Beurteilung, die sowohl das Anlegerverhalten als auch die Marktvolatilität untersucht. "Unser Vorteil liegt im Verständnis über die emotionalen Ursprünge der Volatilität", sagte Grabinger. Im dritten Schritt werden im Rahmen der Portfoliokonstruktion Fondsziele definiert und die Positionen aus dem Blickwinkel des Risikomanagements analysiert. "Das ist ein robuster und wiederholbarer Ansatz" betonte Grabinger.

Britische Aktien im Blut
Mike Felton lebt Britische Aktien. M&Gs Head of UK Retail Equities und Manager des M&G UK Select Fund sowie des M&G UK Growth Fund hat bereits als Kind Einblicke in dieses Segment bekommen – schließlich war bereits Feltons Vater Trader in Britischen Aktien. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, wie die Outperformance von Feltons Aktienfonds zeigen. Der Brite stellte seinen Investmentansatz (konzentriertes Portfolio mit Value-Bias, Felton genießt viele Freiheiten bei der Titelauswahl) vor und gab einen Ausblick auf die weitere Entwicklung seines Anlageuniversums, wobei er auch auf den Gesamtmarkt einging.

Seiner Ansicht nach ist der Optimismus der Investoren zu groß, diese verlassen sich auf die Liquiditätsversorgung der Zentralbanken und blenden die bestehenden Risiken zurzeit aus. Falls die Zentralbanken einen Fehler begehen würden – was in der Vergangenheit oftmals der Fall war – könnte es zu einem erneuten Crash kommen. Zumindest ein "Flash Crash" sei seiner Ansicht bei Aktien jederzeit möglich, meinte Felton mit Verweis auf die massiven Verwerfungen bei der Franken-Aufwertung im Januar 2015 oder die unerwartet niedrige Liquidität bei US-Treasuries, die sich im Oktober 2014 zeigte, als viele Investoren ihre Positionen gleichzeitig drehen wollten.

Er warnte davor, dass viele Investoren vom Bullenmarkt der letzten Jahre verwöhnt seien und oftmals zu wenig Erfahrung mit einer Zinswende hätten. Schließlich liegt die letzte Zinswende (2006) schon einige Jahre zurück.

Felton ist überzeugt, dass Britische Aktien in den kommenden Jahren ein vergleichsweises hohes Kurspotenzial haben, da viele Investoren in den letzten Jahren ihre Gewichtungen in diesem Segment reduziert haben und nunmehr untergewichtet seien. Britische Aktien notierten nach Einschätzung Feltons gegenüber kontinentaleuropäischen Aktien auf Basis ausgewählter fundamentaler Faktoren (KGV, Buchwert etc.) mit etwa 18 Prozent Abschlag und bieten Investoren dabei höhere Cash Flows und eine etwas defensivere Positionierung. Hinzu kommt, dass Britanniens Wirtschaft 2014 ein eindrucksvolles Comeback feierte und zu den Stärksten Volkswirtschaften des Westens gehörte. Dieser Fokus auf die Wirtschaft sollte laut Einschätzung Feltons auch verhindern, dass die Briten in den kommenden Jahren für einen Austritt aus der EU votieren, um das Wirtschaftswachstum nicht abzuwürgen. "It's the economy, stupid", zitierte Felton einen bekannten Wahlkampfslogan aus der Ära des ehemaligen US-Präsidenten Bill Clintons. (aa)