Im Hickhack um ausstehende Prämien für ehemalige Vorstände hat die Deutsche Bank eine Einigung erzielt. Elf Manager, die während der Finanzkrise und danach im Amt waren, würden auf einen Teil ihrer noch ausstehenden Bonuszahlungen verzichten, teilte das größte deutsche Geldhaus mit. Im Zuge einer Vereinbarung mit dem Aufsichtsrat seien sie damit einverstanden, dass von 69,8 Millionen Euro, die die Bank bislang zurückhält, lediglich 31,4 Millionen Euro ausbezahlt werden.

Das Geldhaus hatte mit früheren Top-Manager monatelang im Streit über Prämien gelegen. Darunter sind die ehemaligen Top-Vorstände Josef Ackermann, Anshu Jain und Jürgen Fitschen. Diese hätten die Skandale mit zu verantworten, die das Haus ins Schlingern brachten und Strafzahlungen in Milliardenhöhe nach sich zogen. Das Institut stoppte die Auszahlung der Erfolgsprämien und forderte auch bereits ausgezahlte Boni zurück.

Ex-Manager üben Verzicht…
Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank habe sich auf der Grundlage umfangreicher Untersuchungen gegen eine persönliche Inanspruchnahme von Vorstandsmitgliedern entschieden, heißt es nun zwar in der Mitteilung. "Obgleich die Vorstandsmitglieder der Auffassung sind, dass sie ihr Amt stets mit der erforderlichen Sorgfalt ausgeübt haben und ihnen keine Pflichtverletzungen vorzuwerfen sind, verzichten sie als Ausdruck der Verbundenheit mit der Deutschen Bank freiwillig auf insgesamt 38,4 Millionen Euro", heißt es aber weiter.

Finanzkreisen zufolge sind neben den ehemaligen Konzernspitzen auch der frühere Chefjurist Stephan Leithner, Ex-Finanzvorstand Stefan Krause, der frühere Risikochef Hugo Bänziger, Ex-Privatkundenchef Rainer Neske und das ehemalige Vorstandsmitglied Henry Ritchotte Teil jener Gruppe, mit der die Bank nun eine Einigung erzielt hat. Ebenso zählt der aktuelle Risikovorstand Stuart Lewis dazu.

…der vielleicht auch Aktionären abverlangt wird
"Der Aufsichtsrat begrüßt es, dass die damaligen Vorstandsmitglieder mit dem zusätzlichen Bonusverzicht einen weiteren persönlichen Beitrag leisten, um dieses Kapitel abzuschließen", lässt sich der Aufsichtsratsvorsitzende Paul Achleitner zitieren. "Das hilft uns, den Blick wieder nach vorn zu wenden."

Verzicht üben müssen nun vielleicht aber auch die Aktionäre. Keine Dividende zu zahlen, sei nun wieder eine Option, sagte Vorstandschef John Cryan in einer Telefonkonferenz mit Analysten bei der Präsentation der Geschäftszahlen zum zweiten Quartal. Die Bank sei bisher davon ausgegangen, dass sie wenigstens die Mindestdividende von elf Cent je Aktie ausschütten müsse, sagte Cryan. "Das scheint nicht mehr der Fall zu sein."

Dividende auf der Kippe
Ein Sprecher erläuterte, das Kreditwesengesetz sei vor kurzem dahingehend geändert worden, dass die Vorschrift zur Mindestdividende aus dem Aktiengesetz für Banken nicht gelte. Mehrere Aktionäre hatten unter Berufung auf diese Vorschrift ein Urteil vor dem Landgericht Frankfurt erwirkt, das die Deutsche Bank zur Zahlung einer Dividende von vier Prozent des Grundkapitals für 2015 zwang, weil sie in jenem Jahr nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) schwarze Zahlen geschrieben hatte. Ob die Deutsche Bank die Dividende für 2017 tatsächlich streicht, ließ Cryan offen. (ert)