Soviel Selbstkritik ist selten: Jeder zweite Deutsche hat nach eigener Einschätzung keine Ahnung von Finanzdingen. Damit liegt Deutschland bei einer europaweiten Befragung der Direktbank ING Diba unter Konsumenten in zwölf europäischen Ländern auf dem vorletzten Platz. "Obwohl mehr als 90 Prozent der Deutschen der Ansicht sind, dass Finanzbildung heutzutage ein Must-have ist, scheint es ein grundlegendes Problem bei der Wissensvermittlung zu geben", sagt ING-Diba-Vorstandschef Nick Jue. Insbesondere an Schulen werde das Thema sträflich vernachlässigt.

Vor allem die junge Generation hat kaum einen Bezug zu Finanzthemen. Studienteilnehmer zwischen 18 und 34 Jahren schnitten sogar noch schlechter ab als dieselbe Altersgruppe bei einer ähnlichen Umfrage im Jahr 2013.

In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen ist die Quote der selbsterklärten finanziellen Analphabeten in Deutschland in den vergangenen vier Jahren um vier Prozentpunkte auf 44 Prozent gestiegen. Im europäischen Durchschnitt erhöhte sich der Wert auf 47 Prozent (2013: 44 Prozent). 

Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Ein Großteil der Befragten wünscht sich mehr Finanzbildung in der Schule. Rund 80 Prozent ist der Meinung, dass Finanzbildung am ehesten dort vermittelt werden sollte. Die Realität sieht anders aus: Nur für 15 Prozent der Deutschen waren Finanzthemen in ihrer Schulzeit fester Bestandteil des Stundenplans.

Haupt- und Realschulabsolventen sind dabei besonders benachteiligt. Rund 70 Prozent der Befragten mit Hauptschulabschluss sowie 55 Prozent der Befragten mit Realschulabschluss gaben an, in der Schule überhaupt nichts über Finanzdinge gelernt zu haben. Weil niedrigere Bildungsabschlüsse hierzulande meist mit geringer bezahlten Tätigkeiten einhergehen, dürften Haupt- und Realschüler so gleich doppelt schlechter gestellt sein: Sie bekommen weniger Gehalt und können dieses wegen mangelnden Finanzwissens schlechter anlegen. (fp)