Die Aktienmärkte sind in einer sehr nervösen Stimmung. Die Einigung im US-Parlament und damit die Verhinderung der Staatsinsolvenz haben die Investoren nur kurzfristig aufatmen lassen. Nachdem im Anschluss der US-Einkaufsmanager überraschend kräftig fiel, war für viele Anleger der Damm gebrochen und die Furcht vor einem Rückfall der USA in die Rezession wieder präsent.

 

Da viele Marktteilnehmer es als faulen Kompromiss empfinden, wie der US-Schuldenstreit beendet wurde, konzentrieren sich diese auf die Konjunkturdaten. Diese Indizes zeigen deutlich, dass nicht nur die USA, sondern auch China eine Verlangsamung des Wachstums signalisiert.

 

Rezessions-Sorgen überzogen

Die Sorge vor einer Rezession ist sicherlich überzogen, aber den Märkten reicht es, mit diesem Gedanken zu spielen, um Verkaufsszenarien durchzuführen, wie Arnim Kogge, Leiter Private Banking und Institutional Banking in einem Marktkommentar schreibt. Ihm zufolge zeigt sich aber auch Europa wieder von seiner ungeliebten Seite. Hier haben viele Anleger abermals Italien und Spanien ins Visier genommen und glauben, dass diese Länder von einer Wirtschaftsabkühlung besonders betroffen sind und somit Schwierigkeiten haben, ihre Verschuldung zurückzuführen.

 

Aktienindizes reflektieren desolate Stimmung - Gold einziger Profiteur

Die Aktienindizes zeigen die augenblicklich desolate Stimmung deutlich. Der DAX durchbrach nicht nur die wichtige 7000-Punkte-Marke nach unten, sondern nahm gleich die nächste Unterstützungslinie, die bei 6800 Punkten liegt. Sollten die Märkte einen weiteren Versuch der Abwärtsbewegung starten, dann wäre die nächste Unterstützungslinie erst bei 6500 Punkten.

 

Einem ähnlichen Schicksal unterliegt der Euro Stoxx 50. Dort wurde die 2550-Punkte-Marke durchbrochen und auch die 2450er-Marke ist inzwischen angeknackst. Die nächste Unterstützungslinie liegt hier bei 2300 Punkten. Nach langer Seitwärtsbewegung durchbrach auch der Dow-Jones-Index die 100-Tage-Durchschnittslinie sowie die wichtige 200-Tage-Durchschnittslinie und liegt nun knapp unterhalb dieser Linie. Die nächste Unterstützungsmarke läge erst bei 11.500 Punkten.   Der einzige Profiteur dieses gesamten Szenarios ist weiter das Edelmetall, insbesondere das Gold, das seinen Höhenflug fortsetzt und neue Höchstkurse generieren konnte.

 

Sollte Europa wirklich in eine spürbare Wirtschaftsverlangsamung eintreten, würde das Szenario für die EZB, eine weitere Leitzinserhöhung vorzunehmen, sehr unwahrscheinlich, meint Kogge. Wobei Deutschland hier nach wie vor der Spitzenreiter in puncto Wachstum ist. Eine Verlangsamung ist ihm zufolge hierzulande nur sehr gering zu spüren. Viele Unternehmen zeigen nicht nur hervorragende zweite Quartalszahlen, sondern weisen durchaus auch positive Zukunftsperspektiven aus.

 

Positive Daten werden ignoriert

Die Anleger ignorieren aber diese positiven Unternehmensdaten und zeigen sich nun nach den letzten Tagen in einer abwartenden Haltung bzw. sind durchaus bereit, lieber auf der Verkaufsseite zu stehen als auf der Kaufseite. Sollte sich dieses Bild nicht ändern, sind automatisch weitere Kursrückschläge vorprogrammiert, ohne dass sich an der eigentlichen Situation im konjunkturellen Umfeld etwas geändert hat, so Kogge.

 

Stimmung ist emotional aufgeladen

Nun leiden die Aktienwerte, die sich am besten entwickelt haben, und das waren die deutschen Unternehmen. Kogge zufolge bleibt die Frage: Handelt es sich hierbei nur um ein Zwischentief und damit um eine ausgezeichnete Gelegenheit zum Kauf und der DAX nimmt danach Richtung Jahresende einen zweiten Anlauf, um die 8000-Punkte-Marke zu erreichen, oder zeichnet sich wirklich eine deutliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage ab und somit kein neues Rekordniveau im DAX?

 

Angstszenario wird inszeniert

Augenblicklich wird ein Angstszenario geradezu inszeniert und die Entwicklung der Weltkonjunktur wird schwärzer gezeichnet, als sie tatsächlich ist, meint Kogge. In solch einer emotionalen Stimmung macht es sicherlich wenig Sinn, das "fallende Messer" auffangen zu wollen. Es sieht so aus, als ob der Markt insbesondere den DAX auf den Stand nach der Erdbebenkatastrophe in Japan, damals lag er bei 6483 Punkten, hintreiben lassen möchte.

 

In dieser klaren Überverkauftsituation ist eine abwartende Haltung richtig. Sie bietet aber durchaus gute Kaufgelegenheiten, insbesondere bei den defensiven Unternehmen wie der Chemie- und der Gesundheitsbranche, so Kogge. (ir)