Der Absturz an den weltweiten Aktienmärkten traf nicht nur viele Privatanleger völlig überraschend. Auch viele Investmentprofis schauten dem plötzlichen Niedergang der Kurse rat- und verständnislos zu. "Börsianer bezeichnen Marktphasen, in denen plötzlich die rosarote durch eine trübe Brille ersetzt wird, als Regimewechsel", sagt Thomas Böckelmann, Investmentchef und Leiter Portfoliomanagement beim unabhängigen Vermögensverwalter Euroswitch.

"Irgendein Ereignis" begründe das Phänomen, dass vormals positiv gedeutete Informationen jetzt negativ bewertet und unzweifelhaft positive Nachrichten völlig ignoriert werden. "So sind die wichtigen Einkaufsmanagerdaten der Eurozone, die in dieser Woche auf eine weitere Stabilisierung des Wachstums deuteten, in ihrer sonst positiven Wirkung komplett verpufft", hat Böckelmann beobachtet.

Im Osten nichts Neues
Seiner Ansicht nach sei nichts passiert, was eine fundamentale Neubewertung der Risiken an den Kapitalmärkten rechtfertigen würde. Zwar sei China sehr wichtig – die von Privatanlegern dominierten Inlandsbörsen aber für ihre Schwankungen bekannt und auch dafür, dass Aufseher sowie Anleger bestimmte Marktmechanismen erst "erlernen" müssten. "Der Konflikt Saudi-Arabiens mit dem Iran oder die Entwicklung in Nordkorea sind ebenfalls nicht wirklich neue Bedrohungen", so Böckelmann. "Es ist doch widersprüchlich, wenn einerseits der Nahost-Konflikt als wichtiger Katalysator genannt wird, andererseits aber der Ölpreis als Fieberthermometer der Spannungen in der Region weiter und weiter fällt", stellt der Fondsmanager fest.

Terminmarkthändler als heimliche Strippenzieher
Böckelmann hat einen Verdacht, was der Auslöser für die heftige Marktreaktion sein könnte: "Die Tatsache, dass sich die Anzahl der Terminkontrakte auf fallende Kurse in vielen Marktsegmenten zum Jahreswechsel auf Höchstständen befanden, deutet auf Marktteilnehmer hin, die die ruhige Phase des Jahresanfangs nutzen wollen, um gezielt die Kurse in eine Richtung zu bringen." Dies sei ein Phänomen, das seit Beginn der Finanzkrise häufiger zu beobachten ist und sich nach Meinung des Experten leider verstärke. "Mitverantwortlich dafür sind auch Politik und Regulierer, die faktisch die Eigenhandelsabteilungen der großen Banken geschlossen haben. Somit fallen diese als Marktkorrektiv aus." (ps)