Unabhängige Finanzanalagenvermittler kämpfen seit Jahren mit immer steigenden regulatorischen Anforderungen. Den vorläufigen Höhe- und Abschlusspunkt stellt die kürzlich verabschiedete europäische Finanzdienstleister-Richtlinie Mifid II dar. Diese wird aber erst 2016/ 2017 umgesetzt. Bis dahin haben Vermittler genug andere Baustellen, wie  Rainer Juretzek, Geschäftsführer der Europäischen Akademie für Finanzplanung (EAFP), in einem Interview mit dem Fondsdienstleister Morningstar ausführt. Juretzek schätzt daher, dass sich die Zahl der Finanzanalagenberater gemäß Paragraf 34f Gewerbeordnung (GewO) in den kommen zwölf Monaten von aktuell rund 40.000 auf 30.000 reduzieren wird. Zudem geht er von einer allgemeinen Konsolidierung der Branche aus.

Juretzek spart in dem Gespräch nicht mit Kritik. Sein Eindruck ist, dass sich viele Vermittler nicht mit den bereits seit längerer Zeit bekannten Regeln auseinandersetzten. So gebe es eine Vielzahl von Problemen. "Neben der Sachkundeprüfung sind die  Dokumentationspflichten der große Aufreger, aber es hakt auch bei anderen, grundlegenden Fragen", so der Experte in dem Gespräch. Es fange schon bei der jährlich vorgeschriebenen Betriebsprüfung an, die von einem gemäß Paragraf 24 Finanzvermittlerverordnung zugelassenen Wirtschaftsprüfer  testiert werden müsse. "Nach meiner Erfahrung als zugelassener Prüfer erfüllen viele Vermittler nicht die Mindestanforderungen." Dabei könnten ordnungsrechtliche Fehler mehr oder weniger schwerwiegend sein und von der zuständigen Aufsichtsbehörde mit einer Abmahnung oder einem Bußgeld quittiert werden.

"Unsanftes Erwachen"
Das eigentliche Problem des deutschen Vermittlermarkts ist für Juretzek allerdings das fehlende fachliche Wissen vieler Berater bezüglich der Anforderungen ihres Berufsstandes. "Um in Zukunft unter den neuen Bedingungen bestehen zu können, müssen viele völlig anders arbeiten als bisher. Die gesetzlichen Anforderungen müssen angewendet werden", sagte er gegenüber Morningstar. Neben den formalen Kriterien wie Sachkundeprüfung, Haftpflichtversicherung und Betriebsprüfung mangele es auch im Kern der Sache: am Beratungsprozess. Vermittler müssten nach Paragraf 16 der Finanzvermittlerverordnung beispielsweise unter anderem eine Geeignetheitsprüfung  und eine Risikotragfähigkeitsprüfung durchführen, was viele aber nicht machen. Vielen drohe daher ein unsanftes Erwachen.

Der EAFP-Chef betont aber, dass es durchaus professionelle Berater gibt, die zu dem Gewinner der Konsolidierung der Branche zählen würden. Die größten Profiteure werden seiner Meinung nach aber die Banken sein. Ein "Gegenmittel" gebe es aber: Eine höhere Qualifikation der Berater und klare, transparente Beratungsprozess. (jb)