Asiatische Aktien sind derzeit besonders attraktiv. Davon ist Suranjan Mukherjee überzeugt, Manager des gut zwei Milliarden Euro schweren Fidelity Fund Asian Special Situations. Nun darf man bei einem Manager eines solchen Fonds einen gewissen Grundoptimismus für asiatische Aktien unterstellen, doch Mukherjee nennt während eines Pressegespräches in Frankfurt einige gute Argumente.

In diesem Jahr liegt der MSCI Asia ex Japan klar vor dem weltweiten Index MSCI All Country World, nachdem er sechs Jahre lang deutlich schlechter abgeschnitten hatte. Geht Mukherjees Rechnung auf, dürfte die Zeit der Outperformance noch eine Weile lang andauern.

Asiatische Aktien sind deutlich günstiger als der weltweite Schnitt
Der Fidelity-Manager macht die Attraktivität eines Marktes an drei Elementen fest: den Fundamentaldaten, der Bewertung und der Anlegerstimmung (Sentiment). Die Fundamentaldaten sahen in Asien lange Zeit nicht besonders gut aus. Das Wachstum schwächt sich ab, die Analysten mussten ihre Gewinnschätzungen immer weiter nach unten anpassen – das kommt an der Börse gar nicht gut an. In jüngster Zeit jedoch fielen die Geschäftszahlen der Unternehmen deutlich besser aus als erwartet, und das erstmals seit sieben Jahren.

Für asiatische Aktien spricht auch die günstige Bewertung: Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis sind sie rund 20 Prozent billiger als der weltweite Durchschnitt, gemessen am Kurs-Buchwert-Verhältnis sogar 30 Prozent. Die Anlegerstimmung dagegen ist recht schlecht: Jahrelang zogen Investoren Geld aus Asienfonds ab, erst seit einigen Monaten stehen unter dem Strich leichte Zuflüsse. "Die Kombination aus sich verbessernden Fundamentaldaten, einer günstigen Bewertung und dem noch schlechten Sentiment spricht dafür, dass ein attraktiver Zeitpunkt gekommen ist, um in asiatische Aktien zu investieren", so Mukherjee.

Restrukturierungskandidaten und Weltmarktführer
In seinem Fonds vertraut der Manager freilich nicht auf das große Ganze, sondern er versteht sich als "Stockpicker". Um das riesige Universum einzugrenzen, konzentriert er sich auf Unternehmen, die er in eine von drei Schubladen packen kann. Zum einen findet er Aktien von Firmen interessant, die in der Restrukturierung stecken: Die Fundamentaldaten sehen schlecht aus, aber der Turnaround zeichnet sich schon ab. "Solche Titel sind mit Blick auf das Chance-Risiko-Verhältnis sehr attraktiv", sagt Mukherjee.

Spannend findet er auch Unternehmen, die es verstehen, in bislang unterbesetzen Märkten schnell zu expandieren. "Solche ungesättigten Märkte gibt es in Asien zuhauf", sagt Mukherjee. "Egal ob Versicherungen, Gesundheitswesen, Tourismus oder Bildung – die potenzielle Nachfrage nach entsprechenden Dienstleistungen übersteigt in vielen Ländern das Angebot bei weitem." Als Beispiel nennt er die Bank Central Asia, die ihr Geschäft in Indonesien Jahr für Jahr um fast 20 Prozent steigern kann und dabei hoch profitabel bleibt.

Die dritte Schublade ist für Weltmarktführer reserviert, die ihre Produkte international vertreiben. "Die spannende Frage ist bei diesen Unternehmen immer, ob sie es schaffen, ihre Marktführerschaft aufrechtzuerhalten", sagt der Fidelity-Manager. Als Beispiel nennt er den Halbleiterkonzern Taiwan Semiconductor Manufacturing, dem dieses Kunststück seit vielen Jahren gelingt.

Zwei Sauren-Goldmedaillen
In den vergangenen Jahren war Mukherjee mit seinem Ansatz offensichtlich erfolgreich. Der Fidelity Asian Special Situations, den er im Juli 2012 übernahm, bekommt bei den großen Ratingagenturen Bestnoten. Auch der Kölner Dachfondspionier Sauren kann Mukherjee einiges abgewinnen: Er zeichnete den Manager jüngst mit zwei Goldmedaillen aus. (bm)