Zum bereits vierten Mal fand in dieser Woche der "Finance & Science Congress" im Stift St. Georgen am Längsee in Kärnten statt. Die Veranstaltung weckte großes Interesse bei Unternehmen, Kapitalanlagegesellschaften, Pensionskassen und Banken. Die Moderation lag in den Händen von Jutta Krall, Geschäftsführerin von SEFO, einem Verein zur Förderung von Ethik und Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft.

Thema der Veranstaltung war "Compliance-Monitoring für nachhaltige Veranlagungen". Nach der Begrüßung durch SEFO-Präsident Johannes Krall wies Roland Berger, Head of Securities Compliance & Regulatory Affairs der Bank Austria, in seinem Vortrag darauf hin, dass nach aktueller Gesetzlage und Rechtsprechung das Compliance-Verständnis immer weiter gefasst wird und Prävention vom Gesetzgeber immer wichtiger genommen wird.

Vertrauen in den Finanzsektor
Wilhelm Rasinger, Präsident des österreichischen Interessenverbandes für Anleger, unterstrich, dass Compliance auch eine immer wichtigere psychologische Rolle zukomme, weil viele Anleger angesichts der Finanzmarktkrisen und -skandale der letzten Jahre das Vertrauen in den Finanzsektor verloren haben. Compliance könne helfen, die Vertrauensbasis zu sichern, sagte etwa Diözesanbischof Alois Schwarz.

Professor Thomas Gehrig von der Universität Wien unterstrich die Bedeutung von Regelwerken zur Schaffung von Vertrauen. Regeln bieten Orientierungshilfen in einer unsicheren Welt. Gesetzestechnisch sei eine Kronzeugenregel von großer Bedeutung, um im Sinne der Spieltheorie – Stichwort "Gefangenendilemma" – einen Anreiz zum Aufbrechen von "Lügenkartellen" zu bieten. 

"Der Fisch stinkt vom Kopfe her"
Karl-Heinz Brodbeck von der Finance & Ethics Academy beleuchtete indes das Spannungsfeld zwischen Compliance, Rendite und Idealismus. Er warnte, Compliance als Instrument zur Renditemaximierung zu missbrauchen. Compliance in langfristiger Perspektive berücksichtige immer auch Nachhaltigkeit. 

Oliver Stauber von der Rechtsanwaltskanzlei Lansky, Ganzger &Partner wies auf den Zusammenhang zwischen einer starken und positiven Unternehmenskultur und Compliance hin. Besonders wichtig sei eine Vorbildfunktion der Unternehmensführung. Mitarbeiter seien sehr sensibel, wenn Rhetorik und gelebte Unternehmenspraxis auseinanderfallen würden – nach dem Sprichwort "Der Fisch stinkt vom Kopfe her."

Keine zweite Causa Hypo Alpe Adria
Richard Lernbass, Geschäftsführer des Datenanbieters software-systems.at, warnte davor, sich zu sehr von den Fehlentwicklungen der Vergangenheit leiten zu lassen. Es werde keine zweite Causa Hypo Alpe Adria geben. Daher sei es nicht sinnvoll, die Compliance-Regulatorien rein historisch auszurichten. Compliance müsse immer auf die Zukunft gerichtet sein und könne dann eine wichtige Säule für Nachhaltigkeit darstellen. (dw)