Behavioral-Finance-Experte Thorsten Hens hat eine deutliche Meinung zu Robo-Beratern: "Relativ zu den großartigen Investoren wie Buffett, Soros oder dem US-Rohstoffguru Jim Rogers sind Robo-Advisor Schrott", sagte er in einem Interview mit dem Portal Linkedin. Das heiße allerdings nicht, dass sie überhaupt keine Daseinsberechtigung hätten: "Relativ zum durchschnittlichen Anleger, der in alle Psychofallen tappt, sind Robo-Advisor sicher nicht die schlechteste Lösung."

Das Direktoriumsmitglied des Instituts für Banking and Finance der Universität Zürich vergleicht in dem Gespräch automatisierte Anlageprozesse mit Convenience Food: "Sie können Fertigpizza kaufen oder Sie können in ein italienisches Restaurant gehen und Ihre Pizza nach eigenem Gusto zusammenstellen." Die Fertigpizza unter den Anlage-Angeboten erfreut sich seiner Einschätzung nach vor allem deshalb wachsender Beliebtheit, weil vielen Investoren individuelle Produkte zu teuer sind.

Krise ist selbst verschuldet
Kundenberater haben in der Vergangenheit oft zu viel versprochen und Produkte kombiniert, an denen vor allem sie selbst gut verdient haben, kritisiert Hens. "Insofern ist es verständlich, dass jetzt eine Gegenbewegung kommt mit dem Slogan: Vergesst das traditionelle Private Banking. Es war gut für die Bank, aber nicht gut für den Kunden." So, wie Fertigpizza nicht jedem schmeckt, dürfte aber auch in Zukunft nicht jeder Investor mit einem Robo-Advisor glücklich werden. (fp)