"Es darf gern ein bisschen mehr sein." So heißt das Buch von Birgit Schrowange, aus dem die Fernsehmoderatorin und Autorin auf dem Gipfeltreffen der Fondsfrauen am Dienstag in Mannheim gelesen hat. "Gern ein bisschen mehr" – unter diesem Motto hätte gut und gern auch der gesamte Kongress des Karrierenetzwerkes stehen dürfen. Denn Frauen, die in der Finanzbranche tätig sind, brauchen in der Tat mehr: Mehr weibliche Vorbilder, mehr Mut und vor allem mehr Selbstbewusstsein.

Mehr Talent benötigen Frauen im Asset Management allerdings nicht, wie die Ergebnisse einer Studie der Fondsfrauen beweisen. "Wir haben uns die Daten von Morningstar zu allen Fonds angeschaut, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind ", erklärte Anke Dembowski, Geschäftsführende Gesellschafterin der Fondsfrauen, bei der Präsentation der neuen Untersuchung. "Insgesamt gibt es 6.968 Publikumsfonds, und uns sind die Namen von 10.250 Managern bekannt", sagte Dembowski. Aber: Nur 949 von ihnen sind weiblich. Das entspricht einer Quote von lediglich 9,3 Prozent.

Frauenquote von 30 Prozent angepeilt
Das lässt sich ganz leicht noch unterbieten: Die Fondsfrauen haben neben der internationalen Erhebung zum zweiten Mal auch die Daten für die 661 Produkte deutscher Fondsanbieter unter die Lupe genommen, die hierzulande zum Vertrieb zugelassen sind. Das Resultat: Unter deren 1.011 Managern befinden sich gerade einmal 67 Frauen, das sind 6,6 Prozent. Im Jahr 2014 waren es immerhin noch 8,4 Prozent. Damit geht die Entwicklung in die falsche Richtung. "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den Frauenanteil im Laufe von fünf Jahren auf 30 Prozent zu steigern", sagt Dembowski.

Mit dem Können der weiblichen Fondsmanager hat ihre geringe Präsenz im Asset Management nichts zu tun. Denn: Die Performance der untersuchten Fonds lässt – gemessen am Star-Rating von Morningstar – keinerlei Rückschlüsse darauf zu, ob das Portfolio von einem Mann oder einer Frau gemanagt werden. Daher diskutierten die Teilnehmerinnen – und Teilnehmer – auf dem ersten Panel des Tages mögliche Ursachen dafür, dass Frauen als Fondsmanager noch immer Exotinnenstatus genießen.

Zwischenfazit: Frauen benötigen ein Umfeld, das es ihnen erlaubt, Beruf und Familie besser zu vereinbaren, und mehr weibliche Vorbilder. Vor allem aber brauchen sie einfach mehr Mut und ein größeres Selbstbewusstsein, etwa um ihre Interessen an Führungspositionen anzumelden.

Bemerkbar machen
"Ich erinnere mich daran, dass mein Chef mich höchst verwundert angeschaut hat, als ich ihm sagte, ich würde gern eine bestimmte Position übernehmen, die frei wurde", berichtet Anja Mikus. Sie ist Chefanlagestrategin bei Arabesque Asset Management in Frankfurt. Es sei gar kein Problem gewesen, den Job zu ergattern. "Aber von sich aus wäre mein Chef gar nicht auf die Idee gekommen, dass ich interessiert sein könnte", sagt Mikus. Frauen sollten sich unbedingt mehr zutrauen und mit den permanenten Selbstzweifeln nach dem Motto: "Kann ich das überhaupt?" Schluss machen. (am)