"Nach Presseberichten erreicht die Krise um in Anleihen verpackte Kredite bonitätsschwacher US-Immobilienfinanzierer nun auch die Privatanleger", erläutert Rechtsanwalt Jens Graf von der gleichnamigen Kanzlei in Düsseldorf. Institutionelle Anleger seien davon ohnehin bereits empfindlich betroffen. "Im Allgemeinen werden institutionelle Investoren und Privatanleger in Geldmarktfonds Gelder geparkt haben, auf die sie kurzfristig zugreifen können und die sie nicht riskieren wollten", so Graf. Ähnliche Sicherheitserwägungen würden für Rentenfonds und vergleichbare Anlagen gelten, deren Attraktivität gerade der Sicherheitsaspekt ausmache.

"Sollte sich herausstellen, dass solchen Fonds zur Renditeaufbesserung riskante Konstruktionen beigemischt wurden", urteilt Graf mit dem Blick auf die Krise bei den so genannten ABS-Papieren, "die unmittelbar oder durch Marktreaktionen zu Kursverlusten führen oder die Fungibilität der Anlage negativ beeinflussen, wird im Schadensfalle zu prüfen sein, ob vermittelnde oder beratende Banken und Sparkassen ihrer Verpflichtung zur Aufklärung der Kundschaft und zur anleger- und anlagegerechten Beratung gerecht geworden sind."

In diesem Zusammenhang könnte laut dem Düsseldorfer Juristen Paragraph 37 a WpHG zu beachten sein. Diese Vorschrift sieht eine kenntnisunabhängige Verjährung von drei Jahren vor von dem Zeitpunkt an, in dem der Schadensersatzanspruch entstanden ist. Die Rechtsprechung macht das Datum in der Regel schon fest an der Beratungssituation und nicht erst am Eintritt von Kursverlusten. "Nach Ablauf dieser Verjährungsfrist könnte ein Schadensersatzanspruch nur noch auf vorsätzliche Tatbestandsverwirklichung gestützt werden", so Graf.

Die den Interessen sowohl der Privatanleger als auch institutioneller Investoren häufig nicht entsprechende Verjährungssituation sollte nach Auffassung des Rechtsanwalts nicht erst im Verlustfalle Beachtung finden. "Es kann sich empfehlen, allein den bevorstehenden Ablauf eines Zeitraums von drei Jahren zum Anlass für die Überprüfung einer Anlageentscheidung zu nehmen, um gegebenenfalls rechtzeitig Maßnahmen bis hin zu die Verjährung hemmenden Schritten einzuleiten", urteilt er.

"Sollte es im Zuge der aktuellen Entwicklungen Veranlassung geben, Kreditinstitute auf Schadensersatz in Anspruch zu nehmen, würden Anspruchsteller oft auch mit weiteren Pflichtverletzungen argumentieren können", erläutert der Jurist weiter. Zu verweisen sei in diesem Zusammenhang etwa auf die in vielen Fällen unterbliebene Aufklärung über Rückvergütungen, die Banken und Sparkassen aus Ausgabeaufschlägen und jährlichen Verwaltungsgebühren umsatzabhängig erhielten. Die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs sehe in dieser Praxis einen Anreiz, nicht nur die Interessen des Kunden zu berücksichtigen, sondern auch die eigenen am Erhalt möglichst hoher Kick-Backs und damit eine Gefährdung des Bankkunden. (hh)