Verbilligte Restkarten für die Theaterpremiere, spannende Serien in der Mediathek, ein neues Geheimtipp-Restaurant im Nachbarort – es gibt viele hilfreiche Dinge, von denen man eher zufällig erfährt. In diese Kategorie fallen wohl auch die zusätzlichen Informationen, die Anleger und ihre Berater zu vielen Fonds erhalten können, ohne bislang davon gewusst zu haben. So können Investoren seit gut einem Jahr zu zahlreichen deutschen Fonds Monat für Monat das komplette, aktuelle Portfolio einsehen, statt wie früher nur jedes halbe Jahr Rechenschaftsberichte zu erhalten, die bei Veröffentlichung oft schon mehrere Monate alt sind.

Zu verdanken haben Anleger die detaillierten Einblicke der Finanzaufsicht Bafin. Die Behörde stellte im November 2015 in einem Schreiben fest, dass "Anleger ein und desselben Publikums-Investmentvermögens zu unterschiedlichen Zeitpunkten oder in unterschiedlichem Ausmaß Kenntnis über die Vermögensgegenstände im Portfolio und deren Wertentwicklung erhalten". So würden "nur einem Teil der Anleger eines Publikumsfonds – zum Beispiel Banken und Versicherungen – Informationen über den Publikumsfonds zur Verfügung gestellt werden, die dem anderen Teil – in der Regel den Privatanlegern – trotz expliziter Nachfrage vorenthalten werden." Die Finanzaufsicht wertete diese Praxis als Verstoß gegen die Pflicht der Investmentgesellschaften, eine "faire Behandlung" der Anleger in Publikumsfonds sicherzustellen, und gab der Branche bis März 2017 Zeit, für Abhilfe zu sorgen (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Zum Teil harte Kost
Dem ist die Branche selbstverständlich nachgekommen, auch wenn sich die Begeisterung darüber in Grenzen gehalten haben dürfte. Sonderlich leicht machen es die großen Anbieter den Privatanlegern jedenfalls nicht, an die Reportings für die professionellen Investoren zu kommen, wie eine kleine Umfrage von FONDS professionell zeigt.


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Die Dokumente, die Privatanleger anfordern können, sind zum Teil harte Kost. Das zeigt sich am Beispiel der Solvency-II-Reportings, die Versicherer benötigen, um ihren Meldepflichten nachkommen zu können. Selbsterklärend ist dieser Zahlenfriedhof jedenfalls nicht. Doch wer weiß, wonach er sucht, wird fündig: In der 17. Zeile der entsprechenden Tabelle finden sich beispielsweise die einzelnen Positionen des Fonds, in Spalte 26 dann deren Portfoliogewicht.

Nachfrage der Anleger hält sich in Grenzen
"Ein Anleger erhält von uns auf Anfrage nicht nur die aufsichtsrechtlich geforderten Dokumente wie das Solvency-II-Reporting", sagt Stefan Eich, Leiter Strategisches Produktmanagement der Deka. "Wenn er sich beispielsweise für die Portfoliostruktur oder das Risikoprofil seines Fonds interessiert, prüfen wir, welche Informationen wir anderen Anlegern zur Verfügung gestellt haben – das kann zum Beispiel auch eine Präsentation für Investoren sein. Diese stellen wir dem nachfragenden Kunden dann ebenso zur Verfügung."

Die Nachfrage der Anleger an solchen Details hält sich allerdings in engen Grenzen, berichtet Eich. "Es kommt so gut wie nie vor, dass ein Privatanleger über die auf unserer Website hinaus publizierten Informationen zusätzliche Dokumente zu seinem Fonds anfordert", sagt er. Ob das am fehlenden Interesse der Privatkunden liegt oder schlicht daran, dass sie noch nie von diesem Angebot gehört haben, ist offen.

Veritas Investment als Transparenz-Vorreiter
Mindestens ein kleiner Fondsanbieter geht deutlich offensiver mit der geforderten Transparenz um: Veritas Investment stellt unter anderem das Solvency-II-Reporting jedes Fonds von sich aus auf die Website. Abrufen kann dieses und andere Dokumente jeder Interessent. Ein Nachweis, dass er tatsächlich Fondsanteile hält, ist nicht erforderlich.

Für die Deka käme ein solcher Schritt nicht in Frage. "Wir sehen davon ab, komplizierte, weil spezialisierte Reportings öffentlich zugänglich auf unserer Website zu veröffentlichen", sagt Eich. "Die Gefahr wäre groß, den Anleger mit Informationen zu überfordern, mit denen er wenig anfangen kann."

Veritas hat eine eigene Lösung gefunden, um mit diesem Problem umzugehen: Der Asset Manager veröffentlicht jeden Monat die komplette Vermögensaufstellung seiner Fonds auf einem übersichtlichen Zweiseiter – ganz ohne Bafin-Vorgabe. (bm)