Die Wiedereinführung der Vermögensteuer würde für Investitionen, Beschäftigung und Wirtschaftswachstum in Deutschland einen erheblichen Rückschritt bedeuten. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das ifo-Institut und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums verfasst haben. Darin haben die Autoren die Zahlen von 110 Ländern für die Zeit von 1970 bis 2010 ausgewertet und die Folgen einer Einführung für verschiedene Szenarien durchgespielt.

Laut Informationen der "Wirtschaftswoche" hätte das am Mittwoch vorgestellte Gutachten ursprünglich bereits im Juli veröffentlicht werden sollen. Das SPD-geführte Wirtschaftsministerium habe aber wiederholt Nachbesserungen von den Autoren gefordert – mutmaßlich, um die Publikation der Studie vor der Bundestagswahl zu verhindern.  

Die Experten warnen eindringlich: "Die Einführung einer Vermögensteuer wirkt wie eine massive Erhöhung der Ertragsteuersätze", zitiert die Zeitung ifo-Präsident Clemens Fuest. Unterstellt wurde in dem zugrundeliegenden Szenario ein Vermögensteuersatz von 1,2 Prozent und ein Freibetrag von einer Million Euro (zwei Millionen Euro für Ehepaare). Ergebnis: Die zusätzlichen Einnahmen aus einer solchen "Reichensteuer" in Höhe von 14 Milliarden Euro würden mit größeren Verlusten bei Einkommen- und Konsumsteuern "erkauft" werden. Dadurch würde das gesamte Steueraufkommen im Land sinken. Selbst hohe Freibeträge und eine bevorzugte Besteuerung von Unternehmensvermögen würde nichts daran ändern, dass die heimische Produktion und Beschäftigung langfristig leiden.

Verluste in Höhe von 43,6 Milliarden Euro.
Eine Privilegierung von Unternehmensvermögen würde die negativen Folgen für die Wirtschaft und das gesamte Steueraufkommen zwar mildern. Sie blieben aber immer noch spürbar negativ. Den Vermögensteuer-Mehreinnahmen von 14 Milliarden Euro stünden Verluste bei anderen Steuern in Höhe von 43,6 Milliarden Euro gegenüber. Unterm Strich würde der Fiskus somit rund 30 Milliarden Euro verlieren.

Auch volkswirtschaftlich wären die Folgen laut der Studie gravierend. Die Autoren gehen davon aus, dass die Investitionen langfristig um knapp neun Prozent niedriger ausfallen würden als ohne die Steuer, während die Beschäftigung um 1,9 Prozent und das Niveau der Wirtschaftsleistung um 4,5 Prozent sinken würden. (fp)