Anleger hatten zumindest zwischenzeitlich insgesamt mehr als 840 Millionen Euro in Zinspapiere der Firmengruppe um Infinus und Future Business investiert. Diese Summe ergibt sich aus Berechnungen von FONDS professionell, für die unsere Redaktion verschiedene Finanzberichte und Unternehmensveröffentlichungen ausgewertet hat.

Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft mehreren Topmanagern und Aufsichtsräten des Firmenverbundes vor, bei der Ausgabe von Orderschuldverschreibungen in Verkaufsprospekten unrichtige Angaben zur Vermögens- und Ertragslage der Emittenten gemacht haben. Betroffen sind nach Schätzungen der Staatsanwaltschaft rund 25.000 Anleger mit einem Investitionsvolumen von etwa 400 Millionen Euro. Berücksichtigt man neben den Orderschuldverschreibungen auch Genussrechte und bezieht alle Emittenten des Konzernverbunds ein, zeigt sich jedoch, dass es um eine deutlich höhere Summe gehen könnte.

Mehr als 600 Millionen Euro allein in Fubus-Anleihen
Allein in Orderschuldverschreibungen (Anleihen) des größten Emittenten, der Future Business KGaA (Fubus), waren zur Jahresmitte fast 670 Millionen Euro investiert. Dazu kommen mehr als 40 Millionen Euro in Fubus-Genussrechten. Die mit der Fubus verbundene Prosavus AG hatte Ende März 2013 Namens-Genussrechte für gut 100 Millionen Euro emittiert (siehe Tabelle). Sowohl Fubus als auch Prosavus haben inzwischen Insolvenz angemeldet. Weitere 28 Millionen Euro steckten Ende März in Orderschuldverschreibungen der Prosavus-Tochter Ecoconsort AG. Ob die Staatsanwaltschaft auch im Verkaufsprospekt für diese Papiere fehlerhafte Angaben vermutet, ist unklar.
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Auch Future Business hat Nachrangdarlehen ausgereicht
Neben Orderschuldverschreibungen und Genussrechten, in denen zwischenzeitlich rund 842 Millionen Euro investiert waren, hat der Konzern auch Nachrangdarlehen mit bislang unbekanntem Volumen ausgereicht. Womöglich beliefen sich die Investments in Papiere der Firmengruppe daher eher auf 850 Millionen Euro.

Dass die Valueconsort AG, eine weitere Prosavus-Tochter, diese Darlehen anbietet, war bekannt – das Unternehmen wirbt auf seiner Homepage damit. Nach Informationen von FONDS professionell hat allerdings auch die Future Business KGaA vor einigen Monaten mit der Ausgabe solcher Papiere begonnen. FONDS professionell liegt die Kopie einer Urkunde über ein kündbares Nachrangdarlehen über 100.000 Euro vor, für das Fubus jährlich sechs Prozent Zinsen zahlen wollte. Nachrangdarlehen gelten seit dem Inkrafttreten des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) im Juli dieses Jahres als eine der letzten Nischen des grauen Kapitalmarktes.

Höhe des möglichen Schadens noch unklar
Ob die von FONDS professionell ermittelten Zahlen auch noch Anfang November aktuell waren, als die Staatsanwaltschaft die Konten einfrieren ließ, lässt sich derzeit nicht ermitteln. Klar ist aber, dass zumindest das Geld aus den Genussrechten auf Sicht von mehreren Jahren investiert wurde, in den vergangenen Monaten also nicht ohne Weiteres abgezogen werden konnte. Viele Orderschuldverschreibungen dagegen waren innerhalb von 30 bis 90 Tagen kündbar. Mit Blick auf diese Papiere ist also denkbar, dass in den Wochen bis zur Razzia noch Geld abgeflossen ist.

Die genannte Summe von mehr als 800 Millionen Euro bedeutet ohnehin nicht, dass Anleger auch mit Verlusten in dieser Höhe rechnen müssen, schließlich stehen in den Bilanzen der Gesellschaften zahlreiche substanzhaltige Vermögenswerte.  Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass der Schaden die von der Staatsanwaltschaft in einer ersten Schätzung genannten 400 Millionen Euro übersteigen wird.

Amtsgericht bestellt vorläufige Insolvenzverwalter
Unterdessen gab das Amtsgericht Dresden die vorläufigen Insolvenzverwalter für Fubus und Prosavus bekannt. Bei der Fubus übernimmt diese Aufgabe Bruno Kübler von der gleichnamigen bundesweit tätigen Dresdner Kanzlei, bei Prosavus Frank-Rüdiger Scheffler aus der Kanzlei Tiefenbacher Rechtsanwälte. Das Amtsgericht bestellte außerdem vorläufige Gläubigerausschüsse.

Kübler wies darauf hin, dass zurzeit kein Gläubiger Sorge haben müsse, irgendwelche Fristen zu versäumen. Sobald die Gläubiger ihre Forderungen anmelden können, würden sie über verschiedene Kanäle informiert. Dies werde aber erst mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens in vermutlich rund drei Monaten der Fall sein. (bm)

Future Business und Infinus: Firmenstruktur sowie wichtige Akteure
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