Es ist gerade mal gut einen Monat her, dass FONDS professionell ausführlich und kritisch über das Geschäftsmodell von Future Business und Infinus berichtet hat. Und jetzt, wenige Wochen später, fahren Polizisten in Mannschaftswagen zu mehreren Villen des Finanzvertriebs in Dresden, sichern Akten und lassen offensichtlich Dienstwagen konfiszieren. Gegen mehrere Beschuldigte wurde ein Verfahren wegen des Verdachts auf Betrug eingeleitet. Details waren am Dienstag nicht zu erfahren.

Aus Sicht der Vermittler und Anleger ist es zumindest kurzfristig auch völlig egal, um welche Vorwürfe es geht, ob sie sich bewahrheiten und welche Konsequenzen das Verfahren für die Unternehmensgruppe hat. Es gilt ohnehin die Unschuldsvermutung. Relevant sind für Vertrieb und Investoren nun vor allem zwei Fragen: Wie viele Anleger wollen ihr Geld schnellstmöglich zurück, weil sie durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft um ihr Erspartes fürchten? Und schafft es Future Business auch bei großen Abflüssen noch, den Anlegern pünktlich und solide verzinst ihr Geld zurückzuzahlen – so wie es bislang immer gelungen ist?

Der Future-Business-Konzern finanziert sich in erster Linie durch Anleihen, die über die Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut vertrieben werden. Das Geld steckt im Wesentlichen in gebrauchten Lebensversicherungen, Unternehmensbeteiligungen, Edelmetallen und Immobilien. Das alles sind langfristige Investments. Die meisten Anleihen jedoch können kurzfristig gekündigt werden. Papiere im Gegenwert von 425 Millionen Euro wiesen Ende 2012 eine Restlaufzeit von unter einem Jahr auf – fast drei Viertel des ausstehenden Anleihevolumens und gut die Hälfte der gesamten Bilanzsumme.

Offen ist nun, woher das Unternehmen so viel Bares nehmen soll, falls die Anleger tatsächlich binnen zwölf Monaten mehr als 400 Millionen Euro zurückverlangen sollten. Bislang tat das Unternehmen ein solches Szenario als Gedankenspiel ab, als Phantasie kritischer Journalisten. Jetzt aber könnte aus diesem Gedankenspiel ganz schnell Realität werden.

Die Lebensversicherungen ließen sich prinzipiell zwar kurzfristig zum Rückkaufwert bei den Versicherungsgesellschaften zu Geld machen, jede dritte Police ist aber schon beliehen. Infinus-Vorstand Kewan Kadkhodai gab sich gegenüber FONDS professionell vor wenigen Wochen trotzdem entspannt. Er verweist zum Beispiel darauf, dass sich die Darlehen des Mutterkonzerns an die Tochtergesellschaften zum größten Teil schnell eintreiben ließen. Außerdem steckten in den Beteiligungen hohe stille Reserven, die sich notfalls mit einem kurzfristigen Verkauf heben ließen. Auch Provisionseinnahmen ließen sich im Fall der Fälle an eine Bank abtreten, so Kadkhodai.

In den nächsten Monaten werden wir mit einiger Wahrscheinlichkeit erfahren, ob diese Aussagen zutreffen – ganz egal, welchen Lauf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nehmen.