Manfred Brenneisen, Vorstandschef der auf Sachwertinvestments spezialisierten Plattform Brenneisen Capital AG (BCAG), möchte der Infinus-Gruppe das einst von ihm gegründete Unternehmen wieder abkaufen. Die Infinus AG Ihr Kompetenz-Partner, eine Tochter der inzwischen insolventen Dresdener Finanzholding Future Business KGaA, hatte die Aktien an der BCAG erst Ende vergangenen Jahres von Brenneisens Familie übernommen.

Die Staatsanwalt Dresden ermittelt gegen sechs Beschuldigte der Firmengruppe um Infinus und Future Business wegen des Verdachts auf Betrug. 25.000 Anleger könnten geschädigt worden sein, sie hatten bis zu 850 Millionen Euro in Orderschuldverschreibungen und Genussrechte des Konzerns investiert. Brenneisen befürchtet, das von ihm gegründete Unternehmen könnte Schaden nehmen, auch wenn es völlig selbständig agiert und ausdrücklich nicht Teil der Ermittlungen ist.

"Alles hatte für einen Verkauf des Unternehmens gesprochen"
"Ich bin seit 42 Jahren im Geschäft", sagt Brenneisen, der im April 71 Jahre alt geworden ist, im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Im vergangenen Jahr hatte ich mir genau überlegt, ob ich das Unternehmen tatsächlich verkaufen möchte. Ich habe mir die Bilanzen der Future-Business-Gruppe angesehen und keinen Anhaltspunkt gefunden, der gegen einen Verkauf gesprochen hätte." Das größte Risiko für Brenneisen Capital mit seinen rund 20 Beschäftigten sei damals die starke Abhängigkeit von seiner Person gewesen. "Daher hatte alles für einen Verkauf des Unternehmens gesprochen." Brenneisen sollte bis 2014 Vorstandschef bleiben, danach war ein Wechsel in den Aufsichtsrat vorgesehen gewesen.

Auch aus Sicht der Infinus-Gruppe ergab die Beteiligung Sinn, denn im Bereich der geschlossenen Fonds konnte der Dresdener Konzern bis dato keine besondere Expertise aufweisen. Zudem gelten die Beteiligungsmodelle seit Mitte 2012 als Finanzinstrumente. Berater, die sich dem Haftungsdach Infinus AG Finanzdienstleistungsinstitut angeschlossen hatten, durften geschlossene Fonds daher nur über das Haftungsdach vermitteln – Brenneisens Plattform bot sich hervorragend an, da Infinus sonst selbst eine entsprechende Infrastruktur hätte aufbauen müssen.

Alle drei Vorstände des Mutterkonzerns in Untersuchungshaft
Nun ist das größte Risiko für die BCAG nicht mehr die Abhängigkeit von Brenneisens Person, sondern die Verbindung zur Infinus-Gruppe – vor allem mit Blick auf das Image. "Unsere Vertriebspartner halten uns zwar die Treue und lassen sich zum Glück bislang nicht verunsichern, aber auch ihnen ist natürlich wichtig, dass bald wieder Ruhe einkehrt", sagt Brenneisen. Daher will er sein Unternehmen wieder zurückkaufen. "Ich werde Gespräche aufnehmen, sobald ich einen dazu befugten Ansprechpartner habe", so Brenneisen. Momentan hat er das Problem, dass alle drei Vorstände seines Mutterkonzerns in Untersuchungshaft sitzen. Außerdem spricht einiges dafür, dass nach der Future Business KGaA auch die Infinus AG Ihr Kompetenz-Partner Insolvenz anmelden muss – schließlich sind auch deren Konten gesperrt, und das Unternehmen ist wegen der verhafteten Führungsriege quasi handlungsunfähig.

Sollte eines Tages tatsächlich der Insolvenzverwalter das Ruder übernehmen, stünden Brenneisens Chancen auf einen Zuschlag nicht schlecht. Die BCAG steht mit 1,2 Millionen Euro in den Büchern der Infinus, stellt also einen echten Wert dar, der helfen könnte, die Ansprüche der Gläubiger zu befriedigen. Allerdings befinden sich in der BCAG-Bilanz nur wenige Vermögenswerte, die sich ohne weiteres versilbern ließen. Der Wert der Firma ergibt sich im Wesentlichen aus dem Know-how der Mitarbeiter, den Kontakten, den etablierten Prüfprozessen und dem Firmennamen. Ohne Manfred Brenneisen hilft das Unternehmen dem möglichen Insolvenzverwalter wohl herzlich wenig. Die hohe Abhängigkeit von der Person wird in diesem Fall zur Chance.

Infinus sorgte kaum für Umsatz bei Brenneisen
Glück im Unglück ist auch, dass bislang noch keine Infinus-Produkte über die Brenneisen-Plattform vermittelt wurden – das erspart nun Ärger. Außerdem hatte Infinus noch nicht für merklichen Umsatz bei der BCAG gesorgt. "Mit dem Vertrieb von Produkten der BCAG durch einzelne Infinus-Vermittler wurde erst Mitte August begonnen", berichtet Brenneisen. "Wir hatten für 2014 auf wachsende Umsätze durch Infinus-Berater gehofft, aber daraus wird nun wohl nichts."

Ob Infinus-Berater überhaupt viele geschlossene Fonds verkauft hätten, ist ohnehin fraglich. Mit Blick auf das Auszahlungsprofil stehen viele Beteiligungsmodelle nämlich in direkter Konkurrenz mit den Festzinspapieren der Future-Business-Gruppe: Die beliebtesten Orderschuldverschreibungen von Future Business haben sechs Prozent Zinsen pro Jahr versprochen, während viele geschlossene Immobilienfonds nur auf gut fünf Prozent prognostizierte Ausschüttung kommen.

Nach dem kritischen Artikel in FONDS professionell Ende September stellte Brenneisen seinen neuen Eignern zahlreiche Fragen zu den von unserer Redaktion erhobenen Vorwürfen. Ihm war eine ausführliche Antwort in Aussicht gestellt worden. Bekommen hat er sie allerdings nicht mehr. (bm)