Ist die wirtschaftliche Lage hässlich, wollen die Konsumenten wenigstens selbst schön sein – und greifen vermehrt zu Kosmetik- und Beauty-Produkten. Der sogenannte "Lippenstift-Effekt" lässt sich bereits seit Jahrzehnten beobachten. Zum ersten Mal wurde er während der großen Depression in den Jahren 1930 bis 1933 beobachtet: Obwohl damals in Deutschland die Zahl der Arbeitslosen auf sechs Millionen stieg, machte der Kosmetikhersteller Beiersdorf glänzende Geschäfte.

Auch jetzt bieten Aktien von Beauty-Unternehmen wieder exzellente Investmentchancen, sagt Norbert Hagen, Chef der ICM Investmentbank. "Beim Lippenstift-Effekt geht es nicht um die Verlagerung hin zu preisgünstigem Genuss, sondern darum, die Attraktivität zu steigern – unabhängig von den Kosten der verwendeten Produkte. Davon sollten Hersteller von Kosmetik- und Beauty-Produkten aktuell profitieren."

Hinter dem Make-up sieht es hässlich aus
Die derzeitigen Wirtschaftsdaten sind zwar positiv – aber nur auf den ersten Blick. In den USA und in Großbritannien sind die Pro-Kopf-Einkommen seit 2008 um rund zehn Prozent gestiegen. Gemessen am statistisch korrekten Median sind die durchschnittlichen Einkommen in dieser Zeit allerdings um zehn Prozent gefallen.

"Das Wirtschaftswachstum geht somit an den breiten Bevölkerungsschichten vorbei", sagt Hagen. Zeit, sich schön zu machen, denken Verbraucher: Seit der Finanzkrise ist das Bruttoinlandsprodukt in den USA und im Vereinigten Königreich um rund zehn Prozent gestiegen. Die Umsätze von Kosmetik- und Beauty-Herstellern wuchsen in dieser Zeit um rund 50 Prozent. (fp)