Vermögensprofis gehen davon aus, dass die Aktienkurse weiter steigen. "Die Konjunktur ist nicht heiß gelaufen, ernsthafte Inflationssorgen sind nicht in Sicht, und das finanzielle Ungleichgewicht innerhalb der Länder ist überschaubar", sagt Steven Bell, Chefvolkswirt bei BMO Global Asset Management. Er hat ähnliche Szenarien aus den vergangenen fünf Dekaden analysiert und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die aktuelle Wirtschaftslage Aktieninvestments weiterhin unterstützen dürfte.

Vor allem in Europa können Investoren mit weiter steigenden Kursen rechnen. Der jahrelange Sparkurs vieler europäischer Länder geht zu Ende, die politischen Risiken sind gesunken, nichts deutet auf einen Abschwung hin. Einziger Wermutstropfen sind die zähen Brexit-Verhandlungen. Unabhängig von deren Ausgang steht Großbritannien vor einer schwierigen Phase, sagt Bell.

Italien als potenzieller Bremsklotz
Auch Robert Lind, Volkswirt bei der Capital Group, sieht derzeit in Europa besonders große Chancen für Aktienanleger. "Europäische Titel könnten US-Papiere hinter sich lassen", sagt er. Das Gewinnwachstum europäischer Unternehmen hat sich solide entwickelt, auch Verbrauchervertrauen und Geschäftsklima sehen gut aus. Das wirkt sich wiederum positiv auf den privaten Verbrauch und die Investitionen aus. Frühindikatoren lassen darauf schließen, dass sich der Aufwärtstrend fortsetzt, sagt Lind.

Neben dem Brexit könnte sich die politische und wirtschaftliche Lage in Italien als Bremsklotz für das Wachstum der Eurozone erweisen – und überdies für Unsicherheit am europäischen Aktienmarkt sorgen. "Im Hinblick auf die Wahl 2018 könnten neue Probleme in der Partei um Matteo Renzi und mehr Zuspruch für die Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo die Lage verschlechtern", warnt der Ökonom. Auch ein schwächeres Weltwirtschaftswachstum und mögliche Fehler der Europäischen Zentralbank (EZB) beim Straffen der Geldpolitik könnten die Aktienrally bremsen. (fp)