Die divergierende Entwicklung der Zinspolitik in Europa und den Vereinigten Staaten werde auch in den kommenden Monaten der Haupttreiber für die relative Entwicklung von Marktsegmenten in den USA und in Europa sein, sagt Jochen Felsenheimer, Mitglied der Geschäftsführung beim Münchener Asset Manager XAIA Investment. Die Auswirkungen divergierender Geldpolitik ließen sich bereits an den Wechselkursen und an steigenden Renditedifferenzen ablesen. Aber diese Effekte seien sehr viel weitreichender, erklärt Felsenheimer – das lasse sich an der Entwicklung des US-Dollar auf Euro-Basis ablesen. "Das hat nicht nur eine Auswirkung auf Investoren, die in dem jeweils anderen Währungsraum investieren möchten, sondern eben auch auf die Emissionsstruktur internationaler Unternehmen."

Die meisten Anlageklassen haben sich seit Jahresbeginn sehr attraktiv entwickelt – diese gute Performance fortzusetzen, dürfte jedoch schwierig sein, erwartet Felsenheimer. Trotz des Vorsprungs der USA im Konjunkturzyklus habe in den ersten Monaten des Jahres 2015 bereits eine Umschichtung aus den US-amerikanischen in die europäischen Finanzmärkte stattgefunden. "Dies zeigt sich vor allem in der Outperformance europäischer Aktien und in einem geringeren Ausmaß in der Spread-Entkopplung zwischen beiden Kreditmärkten", sagt Felsenheimer. 

Notenbanken geben den Takt vor
Letzteres habe auch mit einigen Insolvenzverfahren in den USA zu tun, während die Ausfallraten europäischer Anleihen nahe historischer Tiefs verweilten. Der anhaltende Druck auf den Energiesektor aufgrund des dramatischen Rückgangs der Energiepreise treffe vor allem die US-amerikanischen Kreditmärkte, da hier traditionell der Anteil von Energieunternehmen relativ hoch sei. Die Entkopplung der Zinspolitik zwischen der US-Notenbank Fed und der EZB werde diesen Trend eher verstärken, erwartet Felsenheimer. (fp)