Was haben ein Portfoliomanager, der über einen Multi-Asset-Ansatz in Schwellenländer investiert, und ein Extremsportler gemeinsam? Nicht viel, so scheint es auf den ersten Blick. Dass es doch viele Verbindungen geben kann, zeigte das außergewöhnliche Zusammentreffen von Morgan Harting, Portfoliomanager Emerging Markets Multi-Asset beim Asset Manager AllianceBernstein (AB), und Joey Kelly. Mit Vorträgen aus ihren Disziplinen und einem Gespräch über Gemeinsamkeiten eröffneten Harting und Kelly den zweiten Tag des FONDS professionell KONGRESSES im Mannheimer Kongresszentrum Rosengarten.

Nicht nur Ausdauersportler Joey Kelly meistert mit Begeisterung und enormer Disziplin so manche "Extra-Meile". Auch AB-Fondsmanager Harting hat es sich zum Ziel gesetzt, immer eine "extra mile" zu absolvieren, bevor er sich für ein Emerging-Market-Investment entscheidet. "In den Schwellenländern liegen derzeit hohe Renditepotenziale", sagte der Fondsmanager. Die Fundamentaldaten und das Gewinnwachstum seien sehr attraktiv. Das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in den Emerging Markets solle 2018 auf etwa auf 4,7 Prozent steigen. Zudem seien die Bewertungen noch niedrig.

Echte Chancen entdecken
"Es fließt im Moment viel Geld in Anleihen und Aktien aus Emerging Markets", berichtete Harting. Die Nachfrage nach Papieren sei hoch, das Angebot noch gering, obwohl für das Jahr 2018 einige bedeutende Börsengänge erwartet werden. Neben den großen Chancen, die sich in den Schwellenländern bieten, bestehe aufgrund von politischen Unsicherheiten oder Währungsschwankungen natürlich immer ein hohes Risiko. Um dieses zu minimieren und vielversprechende Länder, Regionen, Branchen und Unternehmen zu finden, dreht Hartings seine "extra miles".

"Wir sind in den Schwellenländern ständig unterwegs, sprechen nicht nur mit Managern großer Unternehmen und Politikern, sondern auch mit den Menschen dort", sagte der Fondsmanager. Es sei ihm wichtig zu wissen, wie die Landbevölkerung lebt, wie das Leben in den Städten aussieht, was die junge und die ältere Generation denkt, welche Werte sie haben. "Und wir möchten natürlich wissen, welche Produkte die Leute konsumieren, dafür schauen wir uns zum Beispiel Marktstände an oder lassen uns in Privathaushalten die Kühlschränke öffnen", sagte Harting. Das führe oft zu Überraschungen – und zu neuen Investmentideen.

Disziplin und klare Prozesse
"Natürlich analysieren wir alle wichtigen Fundamentaldaten, aber erst dank unserer intensiven Vor-Ort-Recherche können wir wirklich gute Entscheidungen treffen", sagte der Portfoliomanager. Um diese Extra-Meilen zu drehen, sei viel Disziplin notwendig, ohne klare und konsistente Prozesse gehe es nicht. "Und man braucht ein Team aus vertrauenswürdigen, talentierten Leuten."

Genau diese Aspekte sind auch für Musiker und Extremsportler Joey Kelly wichtig. Was ihn im Leben weitergebracht habe, sei die Tatsache, dass er immer ein Ziel, einem Traum gehabt und diesen mit Ausdauer verfolgt habe. "Um einen Marathon zu laufen, braucht man ein Ziel, Mut und Leidenschaft", sagte er. "Ich denke, das braucht man auch beim Investieren, bei jeder Arbeit, denn das ganze Leben ist ein Marathon", erklärte Kelly.

Es begann durch einen Notfall
Sein Leben erscheint auf jeden Fall so. Von Mitte der 1970er-Jahre bis 1994 reiste der achte Spross der Familie, die später als "Kelly Family" legendär werden sollte, mit Eltern und Geschwistern durch Europa. "Mit der Straßenmusik haben wir angefangen, als wir in Italien einmal ausgeraubt wurden und uns Geld für Essen und eine Übernachtung verdienen mussten", erzählte Kelly. "Von da an stand fest: Eines Tages wollen wir Konzerte geben und große Stadien füllen. Wir haben 18 Jahre gekämpft, zwölf Jahre hatten wir absolut nichts, aber wir haben nie aufgegeben", sagte Kelly. Und der Durchbruch gelang.

Zum Ausdauersport kam Kelly vor 20 Jahren eigentlich nur, weil seine Schwester Patricia einen Triathlon laufen wollte. "Wenn die das kann, schaffe ich das schon lange", sagte sich Joey Kelly – und ging völlig untrainiert an den Start. Die Sache scheiterte zwar kläglich, aber Kelly hatte Blut geleckt. Nun war es sein Traum, einen Triathlon zu schaffen. Er trainiert eisern und packt es. Dieser sportliche Erfolg ist ihm nicht genug, immer neue Ziele steckt sich Kelly und erreicht eines nach dem anderen.

Extrem sportlich
Bis heute hat Kelly 49 Marathonläufe absolviert, 31 Ultra-Marathons, neun Wüstenläufe, dreimal ist er das Radrennen "Race Across America" von der West- zur Ostküste der USA gefahren, zehn Wüsten-Ultra-Läufe hat er hinter sich gebracht, außerdem mehr als 100 Halbmarathons, Kurzdistanz-Triathlons und Volksläufe.

Anlässlich des 100. Jahrestags des historischen Wettlaufs zwischen den Polarforschern Roald Amundsen und Robert Falcon Scott nahm Joey Kelly im Dezember 2010 als Mitglied des vierköpfigen deutschen Teams am Wettlauf zum Südpol teil. Inspiriert von Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg, der sich 1981 ohne Geld auf einen Fußmarsch von Hamburg nach Oberstdorf im Allgäu begab, startete Joey Kelly im September 2010 ein ähnliches Experiment: In 17 Tagen und 23 Stunden lief 900 Kilometer von Wilhelmshaven bis auf den Gipfel der Zugspitze.

Glück ist kein Zufall
Wie er das alles geschafft hat? "Mit einem Ziel, mit Mut und Leidenschaft eben", sagt er. So seien Höchstleistungen zu erreichen, so würden Träume wahr. "Denn Glück ist kein Zufall", erklärt Kelly, der heute sein eigenes Unternehmen managt, überzeugt. Nicht in der Musik, nicht im Sport – und auch nicht beim Investieren. (am)