Das Oberlandesgericht Dresden hat mehrere Fälle von Infinus-Anlegern an das Landgericht der sächsischen Landeshauptstadt zurückverwiesen. Der achte Zivilsenat des OLG hob die erstinstanzlichen klageabweisenden Urteile auf. Das LG muss diese Fälle nun neu verhandeln.

"Zur Begründung hat der Senat ausgeführt, dass die von der Emissionsgesellschaft verwendeten Prospekte erhebliche inhaltliche Fehler aufwiesen, die geeignet waren, ein unzutreffendes Bild über die Chancen und Risiken der angebotenen Kapitalanlage zu vermitteln", heißt es in einer Pressemitteilung des OLG. Zur Feststellung der "weiteren Haftungsvoraussetzungen" sei eine "umfangreiche Beweisaufnahme erforderlich".

40.000 geschädigte Anleger
Die Anleger hatten Kapitalanlagen bei der Firmengruppe um Infinus und Future Business (Fubus) gezeichnet, die im November 2013 von der Staatsanwaltschaft ausgehoben worden war. Die Ermittler werfen sechs Verantwortlichen vor, ein gigantisches Schneeballsystem betrieben zu haben.

Insgesamt hatten mehr als 40.000 Anleger dem Dresdener Finanzkonglomerat rund eine Milliarde Euro anvertraut. Um den Strafprozess zu vereinfachen, geht es in diesem Verfahren "nur" um eine Summe von bis zu 312 Millionen Euro von rund 22.000 Anlegern. Dennoch zieht sich der Strafprozess hin.

Allein 30 Verfahren vor dem OLG Dresden
Parallel versuchen Hunderte Anleger in Zivilprozessen, zumindest einen Teil ihres Geldes von den Verantwortlichen zurückzubekommen. Vor den Landgerichten Dresden und Leipzig hatten viele geschädigte Investoren zunächst keinen Erfolg, weshalb sie bei der übergeordneten Instanz Berufung einlegten. Allein beim OLG Dresden waren zuletzt 30 Verfahren im Infinus-Komplex anhängig, sagte eine Sprecherin des Gerichts auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE. Sechs davon wurden nun zurückverwiesen. Die anderen Prozesse laufen weiter. (bm)