„Wenn die Finanzmärkte global in der Krise scheinen, neigen die Investoren dazu, Kapital aus den Aktienmärkten abzuziehen und in liquide Mittel oder Anlagen zu stecken, die sie für die sichersten halten – wie US-Schatzpapiere. Das ist die denkbar schlechteste Entscheidung“, sagt Mark Mobius, Vorstandsvorsitzender von Templeton Emerging Markets. Für den Star-Fondsmanager ist indes eine weltweite Streuung des Anlagekapitals entscheidend. Schließlich werde nicht jeder Markt gleichermaßen und zur selben Zeit in Mitleidenschaft gezogen. Dies sind die zentralen Aussagen eines aktuellen Marktkommentars von Franklin Templeton Investments.

Der MSCI Emerging Markets beendete den Oktober mit einem Plus von 13,3 Prozent (in US-Dollar). Obwohl insgesamt erneut niedrigeres Wirtschaftswachstum ausgewiesen wurde, fielen die Raten in den Schwellenländern nach wie vor deutlich höher aus als in den Industrieländern. Auch die kurzfristigen wirtschaftlichen Folgen der Flutkatastrophe in Thailand gaben dabei keinen Ausschlag für Investoren, so Mobius. Indonesien überraschte die Märkte unterdessen mit der ersten Zinssenkung seit über zwei Jahren. Das nachlassende globale Wachstum veranlasste die Zentralbanken zu einer neutraleren oder gar expansiveren Währungspolitik, um die heimische Wirtschaft zu stützen. Diese Umstände schüren weiterhin Inflationsängste in den Schwellenländern.

Grenzmärkte – die nächsten BRIC?

Das Interesse an den Grenzmärkten (Frontier Markets) lasse sich tatsächlich feststellen, freut sich Mobius. „Die Anleger sind immer besser informiert und merken, dass sich die Weltwirtschaft verändert hat. Sie halten nach den „neuen“ Schwellenmärkten Ausschau oder, wenn Sie so wollen, den „nächsten“ BRIC-Märkten. Die Grenzmärkte stehen heute dort, wo viele Schwellenmärkte vor 20, 30 Jahren standen. Die Chance, in Grenzmärkte zu investieren, bevor sie große Volkswirtschaften werden, ist daher sehr reizvoll.“ Dabei favorisiert Mobius derzeit Länder wie Nigeria, Ägypten, Kenia, Kasachstan, Rumänien, Argentinien, Panama, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar oder Saudi-Arabien. Chancen ortet der Emerging Markets-Experte auch etwa in Sri Lanka. Das Land sei mit seiner qualifizierten Erwerbsbevölkerung, üppigen landwirtschaftlichen Ressourcen und Naturschönheit für den Export von Gütern und Dienstleistungen gut aufgestellt. „Sri Lanka liegt günstig auf internationalen Schifffahrtsrouten und bietet sich dadurch als Export- und Umschlagknotenpunkt an.“

„Jetzt der ideale Zeitpunkt zur Diversifizierung“

„Die beste Methode zur Minimierung von Risiken ist nach unserer Überzeugung die Streuung über heimische und internationale Anlagekategorien.“ Vor allem aber sollten sich Anleger in den Ländern mit den besten Wachstumsaussichten engagieren. „Schwellen- und Grenzmärkte wachsen dreimal so schnell wie Industrieländer und verfügen über höhere Devisenreserven bei niedrigeren Verschuldungsquoten. Außerdem entfällt auf sie mehr als ein Drittel der globalen Marktkapitalisierung. Die Portfolios der meisten Anleger sind in Schwellenländern stark untergewichtet. Daher ist jetzt der ideale Zeitpunkt zur Diversifizierung“, rät Mobius.

Über den aktuellen Templeton Emerging Markets-Kommentar hinaus finden Sie hier zwei Videoclips mit Mark Mobius, “World turns to emerging markets“ und “Africa’s prospects for growth”, aufgenommen in den CNN Studios in Nairobi. Und: In der vierteljährlichen Telefonkonferenz gab Portfoliomanager Michael Hasenstab einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen an den Anleihemärkten und verleiht Einblicke in seine Investmentstrategie. (dw)