In dieser Woche hielt die Verunsicherung an den Finanzmärkten aufgrund der unklaren Datenlage an. Die Stimmung der privaten Hauhalte und der Unternehmen in den USA brach massiv ein, schreiben die Experten von Metzler Asset Management in einem aktuellen Marktkommentar. Die entsprechenden Indikatoren signalisieren damit erhöhte Rezessionsrisiken. Nachfolgend finden Sie den Originaltext dazu:

 

Der sich abzeichnende Abschwung der Weltwirtschaft ist politisch induziert und damit eigentlich völlig unnötig. Das viel zu lange Zögern der Euro-Staaten beim zweiten Rettungspaket für Griechenland hatte die Ansteckung Italiens und des europäischen Bankensystems zur Folge. Wahrscheinlich wurden die Ansteckungseffekte auch noch dadurch verstärkt, dass sich laut EU-Beschluss der private Sektor an der Rettung Griechenlands beteiligen soll. Damit begannen die Spekulationen über mögliche Verluste bei europäischen Banken und über die Stabilität des europäischen Finanzsystems. In den USA erschütterten der politische Egoismus der Parteien beim Streit um die Anhebung der Schuldengrenze sowie die Herabstufung der USA durch die Ratingagentur S&P das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Politik. Der Konkurs von Lehman Brothers zeigte schon einmal, dass ein Bankensystem in einer Stresssituation dazu neigt, die Kreditvergabe einzuschränken. Einen ersten Einblick in das Verhalten des europäischen Bankensystems werden die Kredit- und Geldmengendaten (Fr) für Juli ermöglichen. Die Risiken für die Konjunktur der Weltwirtschaft sind durch die Krise zuletzt deutlich gestiegen. Bisher signalisieren nur Stimmungsindikatoren wie das Konsumentenvertrauen in den USA und der Philadelphia-Fed-Index eine Rezession. Dagegen lassen die harten Daten - die Industrieproduktion oder die wöchentlichen Erstanträge zur Arbeitslosenhilfe - immer noch auf eine zumindest stabile Verfassung der US-Wirtschaft schließen. Auch dürfte der kräftige Zuwachs bei den Auftragseingängen in den USA (Mi) Stabilität signalisieren. Aus der Eurozone gibt es noch keine aktuellen Daten. Erst in der kommenden Woche erlauben die Einkaufsmanagerindizes (Di), der ZEW-Index (Di) sowie der ifo-Index (Mi) eine Bestandsaufnahme des Schadens in der Eurozone.

 

Es besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Einbruch der Stimmungsindikatoren mehr die politischen Ereignisse widerspiegelt als die tatsächliche realwirtschaftliche Entwicklung. Die Schlussfolgerung daraus wäre, dass sich die Weltwirtschaft zwar abschwächt, aber an einer Rezession vorbeikommt. Dafür würde auch sprechen, dass sich das Unternehmensvertrauen in China im August nur moderat von 57,2 auf 55,4 Punkte verschlechtert hat und die Auftragseingänge sogar von 55,4 auf 58,8 Punkte gestiegen sind. Sollte die Weltwirtschaft jedoch in eine Rezession abgleiten, gäbe es aufgrund der eingeleiteten Sparmaßnahmen keine Möglichkeiten für antizyklische Konjunkturprogramme, und als letzte antizyklische Instanz würde die Geldpolitik verbleiben. Sofern dann die Geldpolitik ohne Unterstützung durch die Fiskalpolitik unwirksam bliebe, würde eine Abwärtsspirale drohen, die in eine Depression mündete. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die Zentralbanken proaktiv gegen die Risiken vorgehen werden. Die Wahrscheinlichkeit für Leitzinssenkungen in der Eurozone und für eine geldpolitische Lockerung in den USA ist zuletzt deutlich gestiegen. Einen ersten Hinweis auf ein "QE3" könnte von Fed-Chef Ben Bernanke schon am Freitag kommen.

 

"Wir gehen davon aus, dass die Geldpolitik die Wirtschaft in der Eurozone und in den USA bis Jahresende erfolgreich stabilisieren kann. Der massive Einsatz der Geldpolitik dürfte jedoch stark steigende Inflationsraten ab 2013 zur Folge haben. Darüber hinaus bahnen die Finanzmarktturbulenzen in der Eurozone den Weg zu einem Eurobond, der unserer Einschätzung nach früher oder später kommen wird", so das Fazit der Experten von Metzler. (dw)