Eine neue App soll Verbrauchern einen "neutralen Überblick" über ihre finanzielle Situation geben. Damit möchte Klar Plus es seinen Nutzern ermöglichen, ihre Altersvorsorge, Investments oder Versicherungen selbst planen zu können. Die App gleichen Namens gibt daher am Ende des Abfrageprozess keine Produktempfehlung, sondern nur eine Anleitung, welche Schritte der Kunde als nächstes unternehmen muss, heißt es in einer Pressemitteilung des App-Entwicklers.

Im Gegensatz zu einigen anderen "Robo-Advisors" soll die App Berater daher nicht grundsätzlich ersetzen. "Mit Hilfe von Klar+ kann jeder seine eigene Finanzstrategie erstellen oder überprüfen", sagte Klar-Plus-Geschäftsführer Alexander Schulze-Fielitz. "Anschließend kann er damit immer noch zum Berater gehen oder aber die Planung in Eigenregie umsetzen." Das Fintech bietet aber auch explizt an, nach Ende der Abfrage das Produktangebot eines Partners anzunehmen. Wenn beispielsweise eine Anlage in ETFs als Ergebnis herauskommt, wird auf die Stuttgarter Firma "JustETF" verwiesen und verlinkt.

Kostenlose App, kostenpflichtige Zusatzfunktionen
Den Aufbau der Software erdachte Schulz-Fielitz im Rahmen der Abschlussarbeit eines Aufbaustudiums, sagte er gegenüber FONDS professionell ONLINE. Zusammen mit fünf Mitstreitern, die eigene Expertise aus dem Finanzbereich bzw. der Softwareentwicklung mitbrachten, gründete der studierte Soziologe und langjährige ehemalige MLP-Berater dann im März 2015 das in Köln ansässige Startup.

Die App ist kostenlos. Dennoch möchte das Fintech natürlich Geld mit seinem Produkt verdienen, worauf es seine Kunden auch vorbereitet: "Neutrale Empfehlungen dürfen Geld kosten, das man auch auf einer Rechnung sieht. Klar Plus ist zwar kostenlos, Du solltest Dir trotzdem die Frage beantworten: Wie viel ist Dir eine ganz persönliche und garantiert unabhängige Finanzplanung wert?", heißt auf der Internetseite des Unternehmens.

Daher sollen später gebührenpflichtige Premium-Funktionen folgen, etwa die Anbindung an das eigene Konto, eine Liquiditätsplanung und eine laufende Betreuung. Im Moment finanziert sich das Fintech in erster Linie durch sein Startkapital. " Außerdem verdienen wir eine kleine Affiliate-Gebühr, wenn ein Nutzer sich für einen unserer Umsetzungs-Partner entscheidet. Das ist aber die freie Entscheidung des Nutzers, es gibt immer auch die Möglichkeit, eigene Partner zu wählen", sagte Schulz-Fielitz zu FONDS professionell ONLINE.

Bislang läuft das Programm nur auf Apple-Produkten. Schulz-Fielitz zufolge wird jedoch eine Web-App entwickelt, die auch auf anderen Smartphones funktioniert. Ebenfalls arbeitet das Startup an einem erweiterten Angebot für eine umfassende Finanzplanung.

Unabhängige Institutionen als Partner
Gemäß dem Credo, die Nutzer ihrer App zur Selbsthilfe anzuregen, basieren die Algorithmen der Software nach eigenen Angaben auf den Empfehlungen unabhängiger Institutionen. Für die Portfolio-Strukturierung folgt das Fintech den Erkenntnissen des Mannheimer Finanzprofessors Martin Weber. Die Auswahl der Versicherungen basiert auf Informationen der Verbraucherzentralen und der DIN-Norm SPEC 77222. Bei der Risikoeinstufung von Anlageversicherungen folgt das Fintech nach eigenen Angaben den Daten der Ratingagentur Morgen & Morgen. (jb)