Das Herz der deutschen Internetbranche schlägt in einer ehemaligen Zigarettenfabrik in Berlin-Mitte. Vis-à-vis vom Friedrichsstadtpalast steht der Hauptsitz der Rocket Internet AG. Mehr als 50 Unternehmen hat Rocket in den letzten Jahren auf den Weg gebracht, darunter den Online­Händler Zalando. Weit weniger bekannt dürfte eines der jüngeren Start-ups der Rocket-Firmenfamilie, Lendico, sein. Noch, sollte man hinzufügen. Denn Lendico dringt mit Macht in den Wachstumsmarkt der Onlinekonsumentenkredite.

Auf den Kreditmarktplätzen stellen Privatpersonen eine gewünschte Geldsumme bereit, die an ein Kreditprojekt gebunden werden kann. Dabei entscheiden die Geldgeber selbst, an wen und unter welchen Voraussetzungen das Geld verliehen beziehungsweise wie es angelegt werden soll. Umgekehrt finden sich private Geldsuchende auf der Plattform ein und werben um Anleger. Die einen werden mit lukrativen Zinsen gelockt, die anderen mit hohen Renditen. Im Englischen wird die private Kreditvergabe als Social Lending, Crowdlending oder Peer-to-Peer-Kredit (P2P) bezeichnet.

Starkes Interesse institutioneller Investoren 
Ein Geschäftsmodell, das wie in Lendico oder dem deutschen Marktführer Auxmoney nicht nur immer neue Nachahmer findet, sondern in Zeiten schmaler Renditen auch das Interesse institutioneller Investoren weckt. Die haben das Segment als attraktive Anlageklasse entdeckt und versorgen die Kreditmarktplätze zunehmend mit frischem Geld. Weil die Nachfrage nach Krediten noch das Angebot übersteigt, spielen Großanleger in den Businessplänen der Plattformen eine wichtige Rolle.

Ein Umstand, von dem auch Vermögensverwalter und unabhängige Finanzberater profitieren könnten, indem sie mit den Anbietern kooperieren. Als Vorbild dienen nicht zuletzt die Kreditmarktplätze in den USA und Großbritannien, wo das mittlerweile milliardenschwere Geschäft zu großen Teilen über die Gruppe der Financial Advisor läuft. "Darauf sind wir vorbereitet und haben entsprechende Modelle für die Anbindung und eine vernünftige Rückvergütung erarbeitet", erklärt Phillip Kriependorf, einer der Gründer und Geschäftsführer des in Düsseldorf ansässigen P2P-Portals Auxmoney. Erste Makler seien bereits angeschlossen, mit weiteren stehe man in konkreten Verhandlungen.

Vom Trend zum Milliardengeschäft
In Deutschland steckt das Segment noch in den Kinderschuhen. Wie groß das Potenzial tatsächlich ist, zeigt ein Blick ins Ausland. In den USA hat die weltweit größte P2P-Plattform Lending Club vor wenigen Wochen ihren Börsengang angekündigt. Darüber hinaus hat man mit LC Advisor eine Investmentgesellschaft gegründet, die über zwei Investmentfonds in die eigenen Kreditprojekte investiert. Analysten gehen davon aus, dass bereits in zehn Jahren zwischen 25 und 50 Prozent des Konsumentenkreditvolumens über P2P-Marktplätze abgewickelt werden könnten. Weltweit wird der Markt derzeit auf 8,5 Billionen US-Dollar geschätzt. (rmk) ________________________________________________________________
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